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China im Fokus bei Music Matters

Beim Branchentreff Music Matters haben sich Vertreter der Tonträgerindustrie skeptisch zu den Marktchancen in China geäußert. Angesichts staatlicher Einflussnahme, hoher Pirateriequoten und mangelnder kreativer Qualität solle man bei Erwartungen, was das Wachstum im Reich der Mitte betrifft, eher vorsichtig sein.

Beim asiatischen Branchentreff Music Matters/Asia Pacific Music Forum haben sich führende Vertreter der Tonträgerindustrie skeptisch zu den Marktchancen in China geäußert. Angesichts starker staatlicher Einflussnahme, exorbitant hoher Pirateriequoten und mangelnder kreativer Qualität sollten die Erwartungen bezüglich des Wachstums im Reich der Mitte nicht zu hoch sein.

Kelvin Wadsworth, President von Sony BMG Asia, beklagte bei der Fachtagung, dass die Volksrepublik über ihr Kulturministerium oft zu stark in den freien Markt eingreife. So schrieben die Behörden zum Beispiel vor, wie viele Platten eine ausländische Firma jährlich veröffentlichen darf. „Wenn sie sich zu sehr im digitalen und mobilen Bereich einmischen, dann wird China nicht das ’nächste große Ding'“, sagte Wadsworth in Hongkong. „Ich glaube nicht, dass es schlau wäre, wenn wir alles auf die China-Karte setzen. Es gibt nämlich im asiatischen Raum noch andere Märkte, die ebenso gute Chancen für uns bieten.“

Ein weiteres Hemmnis im chinesischen Markt ist nach wie vor das Ausmaß an Piraterie, mahnte IFPI-Chef John Kennedy, dessen Verband davon ausgeht, dass über 85 Prozent der Musikverkäufe in der Volksrepublik Raubkopien oder Fälschungen sind. Daher gelte es für die Labels unter anderem, sich am florierenden Markt mit Karaoke-Musik zu beteiligen. Ein Schritt in diese Richtung sei ein Rahmenvertrag, der vor Kurzem geschlossen wurde. Dieser sichere IFPI-Mitgliedern durchschnittlich einen Euro pro Tag für jeden Karaoke-Raum von rund 50.000 Karaoke-Bars in China zu. Außerdem gäbe es durchaus eine positive Entwicklung im Digitalmarkt zu verzeichnen, der in diesem Jahr Umsätze von bis zu 2,3 Mrd. Euro erwirtschaften könnte.

Doch Kennedy gab den Kritikern Recht, die über Wachstumshemmnisse klagen. China Mobile, weltweit der Mobilfunkanbieter mit den meisten Kunden, mache jährlich rund 744 Mio. Euro Umsatz mit Musik, wobei die IFPI-Firmen daran mit weniger als fünf Prozent beteiligt sind.

Es erfordere eben noch Zeit, den chinesischen Markt für die Majors zu erschließen, erklärte Max Hole, der bei Universal Music als President für den asiatischen Markt zuständig ist. Beim Marktführer habe man für dieses Projekt fünf bis zehn Jahre veranschlagt. So viel Zeit werden einige der lokalen Labels allerdings nicht haben, die ebenfalls massiv unter der Piraterie im Land leiden. Schon heute machten sie zwei Drittel ihrer Umsätze mit Produkten und Dienstleistungen, die nichts mit dem Verkauf von Tonträgern, Downloads oder Klingeltönen zu haben, erklärten Vertreter von Firmen wie Huayi Brothers Music oder Rock Group International.

Lachie Rutherford, President von Warner Music Asia Pacific, beklagte darüber hinaus die mangelnde kreative Qualität, die derzeit aus China komme. In einem Markt, in dem die meisten Umsätze mit Klingeltönen gemacht wird, müsse man nun in der Folge damit klarkommen, dass chinesische Musik internationalen Standards nicht mehr entspreche. „Es fließt hier so wenig Geld in den Kreativprozess. Für ein Land mit 1,3 Mrd. Einwohnern ist die Qualität der Inhalte ehrlich gesagt mehr als enttäuschend“, so Rutherford.

Sein Kollege Seymore Stein, Gründer von Sire Records und A&R-Mann für Warner, wollte Rutherford da aber nicht hundertprozentig zustimmen. Aus Ländern wie Indien und China, die zusammen rund ein Drittel der Weltbevölkerung stellen, werden schon bald die neuen Weltstars à la Madonna kommen. Damit rechne er schon seit Jahren.

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