Musik

Charts KW24: Deutsche Charts im Zeichen des Ahornblattes

Kanadas Vorzeigerockfrauen lösen sich an der Spitze der deutschen Longplay-Charts ab, wo sich auch eine einst verfemte Metal-Combo mit Nachdruck zurückmeldet. Bei den Singles liegen Songs mit Fußballthematik im Trend.

An der Spitze der deutschen Longplay-Charts vollzieht sich ein innerkanadischer Wechsel zweier weiblicher Rockstars: Alanis Morissette muss mit „So-Called Chaos“ den Hitlisten-Thron für ihre Landsfrau Avril Lavigne räumen, die mit „Under My Skin“ in Deutschland ebenso direkt an die Spitze stürmt wie in Großbritannien, Irland, Österreich, Japan, Korea, Thailand, Hongkong und Australien. „Das Album haben wir praktisch in jedem Land mit Goldstatus ausgeliefert, in Japan und den USA sogar auf Platinniveau.,Under My Skin‘ ist damit schon jetzt weltweit erneut ein Riesenerfolg für BMG“, berichtet Stefan Goebel, Marketing Director International bei BMG Ariola München.

Avril Lavigne knüpft an ihr Debütalbum „Let Go“ an, mit dem sie 2001 als 17-Jährige einen Katapultstart hinlegte und weltweit 15 Millionen Exemplare absetzte, davon fast 500.000 in Deutschland. „Avril verkörpert eine perfekte Kombination aus Authentizität und Mainstream-Appeal. Sie ist auf Viva präsent und rockt auf der Hauptbühne bei,Rock am Ring‘. Und in der Presse findet sie in den unterschiedlichsten Gazetten statt – in der,Bravo‘ wie in,Max‘ oder,Intro‘, aber auch im,Focus‘. Sie spricht eben sowohl das Teenie-Publikum als auch anspruchsvolle erwachsene Hörer an“, erläutert Goebel. Die Veröffentlichung von „Under My Skin“ feierte sie in diversen Ländern mit speziellen Konzerten für ihre Fans. In Deutschland spielte sie in Köln auf. Viva zeigte den Gig live und mehrmals als Aufzeichnung. Außerdem schürten eine massive TV-Kampagne in Kooperation mit RTL, bundesweite Bauzaunplakatierung und zahlreiche positive Pressebesprechungen das Interesse der deutschen Fans. Die nächste Single, „My Happy Ending“, stellt Lavigne bei „Top Of The Pops“ auf RTL und in der ARD-Show „Deutschland Champions“ vor, die am 17. Juli zwei Tage vor VÖ des Titels ausgestrahlt wird. Im Herbst wird sie einige Shows als Appetitanreger für ihre nächste große Europa-Tour spielen, die für 2005 auf der Agenda steht.

Mit Tönen der ganz harten Sorte katapultieren sich Slipknot mit dem Album „Vol.3: The Subliminal Verses“ von null auf zwei. Mit dem von Starproduzent Rick Rubin betreuten Werk ist die neunköpfige Metal-Band aus Des Moines damit noch erfolgreicher als mit der CD „Iowa“, die 2001 Platz vier erreichte. Im Jahr darauf geriet die Band ins Kreuzfeuer der Kritik: Es hieß sie sei die Lieblingsgruppe des Erfurt-Amokläufers Robert Steinhäuser gewesen und habe ihn mit angeblich gewaltverherrlichenden Songs zu seiner Bluttat inspiriert – wovon sich Slipknot in einer Beileidsbekundung an die Opfer distanzierte. Henk Hakker, Geschäftsführer Roadrunner Records, ist heute noch erbost über das damalige Medienecho: „RTL, die,Bild‘-Zeitung und – unglaublich, aber wahr, -,Der Spiegel‘ haben damals schlicht die Lüge verbreitet, dass Slipknot in ihren Texten dazu aufrufen würden, Lehrer umzubringen. Das habe ich damals schon nicht weiter kommentiert, und das lass‘ ich auch heute mal schön sein.“

Heute ist die Negativpresse indes verstummt. Der Musiksender Viva, der damals Slipknot-Videos aus dem Programm nahm, ist neben dem „Metal Hammer“ wichtigster Kooperationspartner von Roadrunner bei der Kampagne für die CD inklusive Ausstrahlung eines dreistündigen Band-Specials und Platzierung des Videos „Duality“ auf N1-Rotation. Die Popularität von Slipknot hat laut Henk Hakker „stark mit der Optik der Band zu tun. Neun Leute in gleichen Anzügen und Masken sind immer ein Hingucker. Die Fotos dieser Band brennen sich förmlich ins Gedächtnis ein. Selbstverständlich haben die Kontroversen auch dazu beigetragen, dass man in der Rock/Metal-Welt über Slipknot heftig diskutiert hat.“

Die Fußballbundesligasaison wirkt in den deutschen Singles-Charts nach. So finden sich hier gleich zwei Titel, die den deutschen Meister von der Weser feiern. Von Rang 51 auf 44 verbessern sich Die Original Deutschmacher mit „Werder 2004“. Neu auf Rang 93 sind Klaus und Klaus mit der Nummer „Werder Bremen – Der Deutsche Meister kommt vom Weserstrand“. Dazwischen platzieren sich als süddeutsches Kontrastprogramm die Sportfreunde Stiller in Kooperation mit Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz und „Ich, Roque“ auf Rang 47.

Ushers Lauf in den US-Charts hält an. Mit „Burn“ auf eins, „Yeah!“ auf vier und „Confessions Part II“ auf neun hat er drei Singles gleichzeitig in den Top Ten. Als Haupt-Acts gelang dies zuvor nur den Beatles 1964 und den Bee Gees 1978. 50 Cent und Ashanti waren zwar auch schon dreifach in den Top Ten aufgeführt – zum Teil aber als Gäste auf Maxis befreundeter Künstler.