Musik

Charts KW21: Mey schnuppert Höhenluft mit „Nanga Parbat“

Mit Reinhard Mey und den Scorpions platzieren sich lange bewährte Kämpen auf den vorderen Rängen der Lonplay-Charts. Bei den Singles hat hingegen mit Eamon ein hoffnungsvoller Newcomer die Nase vorne.

Nicht umsonst nennt Reinhard Mey sein aktuelles Album „Nanga Parbat“. Denn mit dieser Songkollektion kommt Deutschlands beliebtester Liedermacher tatsächlich (fast) wieder auf dem Gipfel der Longplay-Charts an. Nur die taffe Anastacia verhindert Meys zweiten Sprung auf die Nummer eins seit 1972, als er mit „Mein achtel Lorbeerblatt“ triumphierte. Sein Debüt in der Hitliste feierte er ein Jahr zuvor mit dem Doppelalbum „Reinhard Mey Live“, das es auf Rang neun brachte. Ebenfalls 1971 stieg „Ich bin aus jenem Holze“ bis auf Platz acht. Nach diesen Erfolgen war Mey zwar weiterhin Dauergast in den Charts, seine nächste Top-Ten-Notierung erreichte der Barde aus Berlin jedoch erst wieder 1998 mit der „Flaschenpost“, die auf Position sieben ankam. Auch mit den folgenden Studioalben „Einhandsegler“ (2000 auf sieben) und „Rüm Hart“(2002 auf vier) landete er im Vorderfeld.

Diese Erfolgsserie schafft Mey laut Volker Sonntag, General Manager Marketing Alternative bei Capitol, weil er „mit seinen Texten aktuell wie nie zuvor ist. Er drückt aus, was viele Leute denken, und bringt die Dinge in seinem ganz eigenen Sprachstil auf den Punkt.“ Sonntag verweist auf die Promo-Single „Alles o.k. in Guntánamo Bay“, mit der Mey die Menschenrechtsverletzungen im Gefangenenlager auf Kuba durch die Bush-Regierung anprangert.

Der Titelsong „Nanga Parbat“ thematisiert das Bergsteigerdrama rund um den Tod von Reinhold Messners Bruder Günther nach Besteigung des Himalaya-Gipfels im Jahr 1970 und die aktuelle Mediendiskussion um die Umstände des Unglücks. „Der Song entstand mit Genehmigung und Unterstützung von Reinhold Messner und erscheint just zu dem Zeitpunkt, da sich dessen Darstellung der Ereignisse als wahr herausstellt“, erläutert Sonntag. „Reinhard Mey hat die treuesten Fans, die es gibt. Und die wollen jedes neue Album von ihm als physisches Produkt haben und bezahlen dafür auch gern.“ Zur Fanbindung trage Meys persönliche Kommunikation mit seinen Anhängern auf seiner Website bei. Der Erfolg des Albums kam ohne teure TV-Kampagne oder Fernsehauftritte in großen Shows zustande. Capitol konzentrierte sich laut Sonntag auf eine Promo-Reise des Künstlers, Litfasssäulenplakatierung und Anzeigen in Gazetten wie „Focus“, „Spiegel“, „Zeit“ oder „Stern“.

Als Muster an Beständigkeit erweisen sich auch die Scorpions, deren Album „Unbreakable“ auf Rang vier debütiert. Für die Hardrock-Institution aus Hannover ist es der zehnte Top-Ten-Longplayer ihrer Karriere. Dabei landeten Klaus Meine, Rudolf Schenker und Co. anno 1990 ihre einzige Nummer eins bei den Alben mit „Crazy World“. Zu den Senkrechtstartern der Saison gehört zweifelsohne Eamon. Mit seiner selbst kreierten Mixtur aus „rauem HipHop und sanftem Doo Wop“ mischt er derzeit die Charts auf. So übernimmt der New Yorker in Deutschland mit der Single „F**k It (I Don’t Want You Back)“ die Führung, während sein Album „I Don’t Want You Back“ Charts-Premiere auf Position 13 begeht. Die Single steht auch in Großbritannien an der Spitze und in den Euro-Charts auf Platz zwei. In den USA haben es Produktionen mit dem „F-Wort“ im Titel im Radio naturgemäß schwer. So führte der Song dort zwar etliche Wochen die Verkaufs-Charts an, kam aber aufgrund des Mangels an Radioeinsätzen in den Hot 100 nur bis auf Rang 16.

Das Metal-Label Nuclear Blast landet mit seinem Neuzugang, der finnischen Gothic-Metal-Band Nightwish, internationale Erfolge. In Deutschland entert deren Single „Nemo“ die Hitliste auf Rang zwölf. In Ungarn nimmt sie die Spitze, in Norwegen liegt sie auf Platz vier, in Österreich auf Platz 24 und in der Schweiz auf 25. Der Song entstand gemeinsam mit dem London Session Orchestra, das auch die Soundtracks für „Der Herr der Ringe“ und „Hary Potter“ einspielte. Der Song unterlegt derzeit auf ProSieben die Trailer für die Serie „Charmed“. Der Titel ist Vorbote des Albums „Once“, das am 7. Juni erscheint. Nuclear Blast erhofft sich davon eine Platzierung in den Medaillenrängen.

Immer beliebter wird die Dancepop-Nummer „Dragostea Din Tei“, die sich in zwei Versionen direkt hintereinander auf den Rängen zehn und elf der deutschen Singles-Charts findet. Dabei hat die Version von O-Zone hauchdünn die Nase vorn vor der Fassung von Haiducii.

Capitol meldet neue Edelmetalltriumphe für Robbie Williams in Deutschland. Sein letztes Studioalbum, „Escapology“ von 2002, hat über 1,2 Mio. Exemplare verkauft und damit nach der alten Edelmetall-Regelung Vierfach-Platin. Das Album „Swing When You’re Winning“ von 2001 hat mit mehr als 1,35 Mio. abgesetzten Tonträgern die Marke fürs neunte Gold überschritten.