Musik

Charts KW06: Karrieresprung für Laith Al-Deen

Sony Music Domestic bejubelt den Album-Spitzenreiter Laith Al-Deen, der sich vom Hoffnungsträger zum Star im deutschsprachigen Pop-Segment entwickelt hat. Kevin Lyttle reüssiert mit einem Sommerhit im deutschen Winter, und bei den Kids räumen die Lollipops ab.

Mit seinem Albumtitel „Für Alle“ übertreibt Laith Al-Deen kaum. Denn zumindest die Mehrheit der deutschen Plattenkäufer fühlt sich vom Mannheimer Pop-Soul-Sänger angesprochen und hievt die CD in dieser Woche von null auf eins. Für Boris Löhe, Geschäftsführer Sony Music Domestic (SMD), „zahlt sich damit unsere Repertoire-Philosophie aus, eine gute Plattform von Kreativen an Sony Domestic zu binden“. Dazu zähle die Kooperation mit Al-Deens Produzententeam Schallbau mit Matthias Hoffmann, Steffen Britzke, Ralf Hildenbeutel und Götz von Sydow sowie seinem Management Live Act Music. Oliver Schreibvogel, Senior A&R-Manager Columbia bei SMD, erklärt: „Im Vorfeld waren wir aufgrund der sehr guten Radio-Ergebnisse schon guter Dinge, dass die Platte sehr erfolgreich laufen wird. Mit Platz eins hat aber zunächst niemand gerechnet.“ Dann ergab sich anhand der Trend-Charts ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem bisherigen Spitzenreiter Dick Brave. „Das war wie ein spannender Boxkampf“, so Schreibvogel. „Am Freitag der Erhebungswoche kam ja noch der Auftritt mit Interview bei,3 nach 9′ im NDR. Dann hieß es nur noch Zähne zusammen beißen, mitzittern und beten.“ Wie man jetzt weiß, nicht vergeblich. Den Erfolg unterstützten weitere Fernsehauftritte Al-Deens in Sendungen wie dem „Morgenmagazin“ der ARD, „Volle Kanne“ im ZDF oder dem „Frühstücksfernsehen“ auf Sat.1.

Die Vorab-Auskopplung „Alles an dir“ war mit Rang 21 auch die bislang erfolgreichste Single des Sängers, der Robert Palmer, Seal und Mike Patton zu seinen Vorbildern zählt. Kampagnenschwerpunkte waren eine bundesweite Kooperation mit „Cinemaxx“ mit Anzeigen und Kinospots, Mails per Post an eine halbe Million Fanadressen und eine Senderreise Al-Deens mit exklusiven Radiokonzerten bei WDR 2, Antenne Thüringen, R.S.2, Radio Bremen 4, Radio Regenbogen, Antenne Bayern, FFH und SR 1. Vor allem durch stetiges Touren hat sich der Sohn einer Deutschen und eines Irakers seine Popularität „eisenhart erarbeitet“, wie Schreibvogel anmerkt. Durch sein Engagement im Vorprogramm von Pur 2001 und bei der Nokia Night Of The Proms steigerte er beträchtlich seinen Bekanntheitsgrad. Auch in den Charts ging es peu à peu aufwärts. Das Debütalbum „Ich will nur wissen…“ von 2001 erreichte Rang 66 als höchste Platzierung, „Melomanie“ von 2001 stieg bereits bis auf Rang elf. Die Fans schätzen laut Schreibvogel Al-Deens „natürliche, unkomplizierte, offenherzige Art. Er ist ein Künstler, der ankommt, weil die Leute spüren, dass er es ehrlich meint.“

Als Top-Einsteiger bei den Singles glänzt Kevin Lyttle mit „Turn Me On“ (Atlantic/eastwest) auf Platz vier. Der Song geistert bereits seit zwei Jahren durch trendige Clubs rund um den Erdball. Atlantic Records war von seiner Melange aus Soca, Dancehall, HipHop und R&B überzeugt und schloss mit dem Jamaikaner jüngst einen weltweiten Deal über mehrere Alben ab. „Turn Me On“ kam kürzlich in Großbritannien auf Rang zwei. Die spritzige Nummer trifft nun auch den Nerv des deutschen Publikums, das im tristen, kalten Winter mit diesen sommerlichen Klängen musikalisch Schnupfen, Halsweh und Heiserkeit vorbeugt. edel kann auf seine jüngsten Umsatzbringer vom Label edelkids bauen. Das Mädchenduo Die Lollipops steht mit dem Album „Wir feiern!“ auf Rang zehn. Die DVD „Für Euch!“ mit 15 Videoclips und Live-Auftritten ist Neueinsteiger in den Top 100 auf Platz 72. Die 13-jährigen Ronja und Joanna bilden die aktuelle Besetzung der auf zeitgemäße Kinderlieder und kindgerechte Adaptionen aktueller Hits spezialisierten Formation. Ihre aus Altersgründen ausgeschiedenen Vorgängerinnen Nathalie und Gina erhielten jüngst Gold fürs Lollipops-Debütalbum aus dem Jahr 2000.

Ein Comeback in den US-Charts erlebt das Songschreiber-Duo Burt Bacharach und Hal David. Die aktuelle Nummer vier der Singles-Hitliste, der HipHop-Track „Slow Jamz“ von Twista feat. Kanye West & Jamie Foxx basiert nämlich auf einem Sample der Bacharach/David-Komposition „A House Is Not A Home“ in der Version von Soulstimme Luther Vandross. Zuletzt stand vor genau 33 Jahren ein Song von Bacharach und David so hoch in der amerikanischen Hitliste, nämlich „One Less Bell To Answer“, interpretiert von 5th Dimension. Die ungebrochene Beliebtheit der Klassiker des begnadeten Songschreiberduos beweist ein Blick in die aktuellen amerikanischen Modern Rock Track Charts. Als Neueinsteiger auf 33 finden sich hier die White Stripes mit „I Just Don’t Know What To Do With Myself“ – ein Stück von Burt Bacharach und Hal David, mit dem einst Dusty Springfield und auch Dionne Warwick Erfolge feierten.