Das „Deutschland sucht den Superstar“-Fieber grassiert weiter. Nach der Single „We Have A Dream“ (diese Woche auf zwei) katapultiert sich nun auch „United„, das Album zum TV-Quotenrenner mit Gesangsdarbietungen der Endrundenteilnehmer, von null auf eins. Dieser Triumph verbessert den Wochenwert der Charts-Anteile für BMG Berlin von 5,11 Prozent in der Vorwoche auf sagenhafte 36,12 Prozent. Auch Gareth Gates, Absolvent des britischen „Superstar“-Pendants „Pop Idol“, reüssiert jetzt in den deutschen Charts. Sein Song „Anyone Of Us (Stupid Mistake)“ ist auf Rang acht Top-Einsteiger bei den Singles.
Die vom Medienhype in Windeseile nach oben gespülten jungen Helden der Casting-Shows nähren andererseits auch eine Gegenbewegung. Das Bedürfnis nach erwachsenen, ernsthaften, tiefschürfenden und verwegenen musikalischen Bekenntnissen findet ihren Ausdruck in aktuellen Erfolgen anspruchsvoller Alben, die mit strickmusterhaftem Mainstream-Pop nichts gemein haben. So platzieren die einstigen TripHop-Pioniere von Massive Attack ihre aktuellen Downbeat-Visionen namens „100th Window“ direkt auf Platz drei. Endgültig als mehrheitsfähig erweist sich auch das ideenreiche und unkonventionelle Stilgebräu aus Desert-Rock, TexMex, Mariachi, Country, Walzer und wer weiß noch was, das Calexico auf „Feast Of Wire“ zusammen mixt (Rang zehn). Beth Gibbons und Paul Webb alias Rustin Man, die Portishead-Chanteuse und der einstige Protagonist von Talk Talk, schleichen sich mit ihrem traurigen, introvertierten Meisterwerk „Out Of Season“ auf Platz 13. Eine noch höhere Position dürfte verhindert haben, dass sich die echten Gibbons-Fans schon die seit Wochen erhältliche Importversion besorgt haben. Bemerkenswert ist auch der Einstieg des schottischen Mystikers Jackie Leven, der mit sensiblen Vertonungen von Gedichten von literarischen Schwergewichten wie E.E. Cummings oder Rainer Maria Rilke auf „Shining Brother Shining Sister“ auf 98 auftaucht.
Mit Joey und Dee Dee verstarben in den letzten beiden Jahren zwei ehemalige Ramones. Einen verspäteten Nachruf widmen den Punk-Legenden nun Stars wie U2, die Red Hot Chili Peppers oder Kiss auf dem Tributalbum „We’re A Happy Family“ (Platz 74).



