Robbie Williams‘ Mitschnitt seines Knebworth-Triumphs vom August dieses Jahres springt in dieser Woche von Platz neun auf die Spitzenposition. Diesen Satz verdankt der EMI-Künstler der DVD-Version des Auftritts, die unter dem Titel „What We Did Last Summer“ seit Kalenderwoche 48 im Handel steht und seitdem von Media Control zu den Verkaufszahlen der bereits vorher veröffentlichten CD „Live Summer 2003“ addiert wird. Damit zählen erstmals zwei Veröffentlichungen eines Künstlers, die jedoch unter verschiedenen Titeln und in verschiedenen Formaten erschienen sind, für eine gemeinsame Charts-Position. Die CD, die ebenfalls Live-Material aus Knebworth enthält, hatte bislang Rang zwei erreicht und rutschte in der achten Platzierungswoche vom sechsten auf den neunten Platz ab, bevor die Knebworth-DVD Robbie Williams zu seiner dritten Nummer eins in den deutschen LP-Charts verhilft. Möglich machte diese Vorgänge eine Regeländerung bei der Charts-Erhebung im vergangenen Jahr, nach der DVDs, sofern ihr Inhalt mindestens zu einem bestimmten Anteil mit dem der entsprechenden CD übereinstimmt, gemeinsam mit diesen CDs in die Wertung kommen.
Von der CD- und DVD-Kumulierung profitieren in dieser Woche auch noch andere Musik-DVDs beziehungsweise deren CD-Entsprechungen. Auf Platz elf rangiert die Best-of-Sammlung „In Time“ von R.E.M. (Warner Vision Germany), die ebenfalls in beiden Formaten erhältlich ist – anders als bei Robbie Williams jedoch unter dem identischen Titel. Dies gilt auch für die Pet Shop Boys, deren Sammlung „PopArt“ (Capitol) diese Woche auf Rang 24 einsteigt, für Michael Jackson und dessen „Number Ones„-Zusammenstellung (Platz 25) sowie für Udo Jürgens und sein Weihnachtsopus „Es werde Licht„.
Anders sieht es aus bei Herbert Grönemeyer, dessen neue DVD „Mensch – Live“ (Platz sechs) ein eigenständiger Titel ist, während das neunfach mit Platin ausgezeichnete Audio-Album „Mensch“ separat in der 64. Woche auf Rang 34 sein derzeitiges Zuhause gefunden hat. Auch bei den Alben „Sacred Love“ von Sting (Platz 28), „Was ist passiert?“ von Pur und „Come Away With Me“ von Norah Jones (53) zählen die DVD-Verkäufe der jeweiligen Künstler nicht zu ihren CD-Verkäufen hinzu, da diese zumeist nur Live-Umsetzungen oder zusätzliche Dokumentationen zum entsprechenden Tonträger präsentieren. Bei den eigenständigen DVDs ohne CD-Pendant ist der Boom des Formats gleichermaßen ungebrochen. Hier sorgen die Live-DVDs von Shania Twain (neu auf Rang 62), U2 (64), Coldplay (82), Peter Gabriel (87), Depeche Mode (89), Genesis (95) und AC/DC (100) für einen beständig hohen Anteil des audiovisuellen Formats. Besonders stolz darf Warner Vision Germany auf seine Erfolge im DVD-Bereich sein: Auf Rang 38 steigt die 4-DVD-Box „Four Flicks“ von den Rolling Stones ein. Wie Peter Gabriel (Rang 87) oder George Harrison (76), dessen aktuelle DVDs ebenfalls von der Hamburger Firma vertrieben werden, sind die Stones keine Warner-Künstler, doch ihre DVDs erscheinen dort.
Seinem Label Columbia ist Bruce Springsteen, dessen aktuelle DVD „Live In Barcelona“ auf Position 58 steht, zwar treu geblieben, aber wegen einer anderen Charts-Regel erhöht er damit nicht den Charts-Anteil seiner deutschen Plattenfirma Sony Music International. Da nämlich die 3-CD-Box „The Essential Bruce Springsteen“ in der limitierten Erstauflage auf persönlichen Wunsch des „Boss“ zu einem günstigen Preis in den Handel kam, wird sie von Media Control nicht gelistet. Ohne diese Regelung wäre die Box in der vergangenen Woche hingegen auf Rang zehn eingestiegen und würde nun auf Platz 31 rangieren.



