Musik

Charts KW 48: Steuerpolitik wird Thema Nummer eins

Mit einem Song über die umstrittene Steuerpolitik
von Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigen die Charts ihr politisches Antlitz. Aber auch Sex bleibt ein wichtiges Gesprächsthema.

Mit dem Sprung des „Steuersongs“ von der Gerd Show direkt an die Spitze der deutschen Singles-Liste rücken die wirtschaftspolitischen Pläne von Gerhard Schröder auch in den Fokus der plattenkaufenden Öffentlichkeit. Für die Macher der Gerd Show, die BME Medien- und Entertainment Agentur, sowie für Warner Strategic Marketing bedeutet das eine historische Leistung. Denn bereits 1999 hatte die Gerd-Show zwar mit dem Song „FKK (Everybody’s Free To Wear gar nichts)“ Kanzler Schröder in die Charts gebracht. Das damals über Boing/Sony Music vertriebene Stück erreichte jedoch nur Platz 19.

Mit dem jetzigen Nummer-eins-Erfolg übertrumpft die Gerd Show auch Gerhard Schröder persönlich, dessen Originalstimme der tv-total-Entertainer Stefan Raab vor zwei Jahren in dem Song „Ho mir ma ne Flasche Bier“ verarbeitet hatte. Das Stück verkaufte 360.000 Einheiten und belegte den zweiten Platz. Ebenfalls auf die Plätze verwies der „Steuersong“, der musikalisch auf dem Sommerhit „The Ketchup Song“ von Las Ketchup basiert, Schröders Vorgänger Helmut Kohl. Unter dem Titel „He’s The Boss“ von Kohl & The Gang hatte diese Comedy-Nummer 1991 Rang 23 belegt.

Auch in der Pophistorie lieferte das leidige Thema Steuern immer wieder Quellen für Inspirationen: So regte sich George Harrison 1966 über den „Taxman“ auf, Jimi Hendrix bekräftigte in einem Song von 1969 seine Vision von „Tax Free“, Nona Hendryx schwärmte 1977 vom „Tax Exile“ und J.B. Lenoir hatte 1967 den „Tax Paying‘ Blues“.

Ein weiteres Thema, mit dem sich die Kunst seit Anbeginn beschäftigt, wird auch diese Woche in den deutschen Charts ohne Umschweife in den Mund genommen: Jamaicas Loverman Shaggy kredenzt auf Position 17 seine „Hey Sexy Lady„, während Die Toten Hosen als höchster Neuzugang in der Longplay-Liste auf Platz zwei über den Zusammenhang von „Reich & Sexy“ brüten. Das Motto der Dance-Formation Paffendorf vom Label Gang Go heißt indes „Crazy Sexy Marvellous“ (Rang 49). Ebenfalls von Gang Go stammt der Neueinsteiger auf Platz 22, Blank & Jones. Das Dance-Duo hat für den Track „The Hardest Heart“ die Wave-Ikone Anne Clark aus dem Ruhestand geholt und verhilft ihr nun zur höchsten Charts-Position. Denn ihr größter Hit, „Our Darkness“, landete 1985 zwei Plätze tiefer.