“Same Procedure as last year“ – so lautet frei nach einem bekannten TV-Sketch die Devise in den deutschen Longplay-Charts. Hier herrscht nämlich wie vor zwölf Monaten die Grönemeyer-Mania. Dominierte damals die CD „Mensch“ das Charts-Geschehen, ist es nun die DVD „Mensch – Live“, die von null auf eins fliegt. Es passiert im Übrigen zum ersten Mal seit „Öffnung“ der Top 100 Longplay für den boomenden Bildtonträger, dass eine DVD die gesamte CD-Konkurrenz abhängt.
Bemerkenswert ist zudem, dass es gar eine Doppel-DVD ist, der diese Premiere gelingt. Der erste Datenträger liefert Bild und Ton von den beiden Konzerten des Deutschrock-Helden in der Arena AufSchalke vom 15. und 16. Juni dieses Jahres. Die zweite DVD bietet ausgiebige Interviews des Sängers mit dem Journalisten Moritz von Uslar sowie dem Schriftsteller Michael Lentz, der im Dialog mit Grönemeyer Textanalysen zu „Mensch“ betreibt. Wie Capitol meldet, hat sich „Mensch Live“ in gut einer Woche bereits 200.000-mal verkauft – ebenfalls einsamer Rekord für eine Musik-DVD in Deutschland, der mit Vierfach-Platin belohnt wird. Auch Grönemeyers „Mensch“-Tonträger steigt im Zuge des DVD-Coups von 29 auf 15.
In etwas niedrigeren Charts-Regionen liefern sich drei weitere DVD-Neuveröffentlichungen einen spannenden Wettstreit. Die Nase vorn hat hier Peter Gabriel mit seiner „Live“-DVD auf Platz 31. Er lässt Depeche Mode mit „101“ um einen Platz hinter sich; für die Verkäufe der Electro-Popper zählt dabei auch die Doppel-SACD-Version von „101“ mit. Wiederum dicht dahinter folgen auf Rang 34 Coldplay mit „Live 2003“ – erhältlich auf einem Bildtonträger oder als DVD-CD-Doppelpack.
Bei den Singles übernehmen Overground, Gewinner der letzten „Popstars“-Staffel beim neuen Sender ProSieben mit „Schick mir nen Engel“ ohne Anlauf die Führung. Damit tun sie es ihren Vorgängern aus der „RTL-II-Generation“ des Castingformats gleich: Die No Angels triumphierten Anfang 2001 mit ihrer Debüt-Single „Daylight In Your Eyes“. Noch im gleichen Jahr gelang auch der zweiten „Popstars“-Formation, Bro’Sis, mit „I Believe“ der ungebremste Direktflug auf die oberste Stufe des Charts-Podiums.
Unter neuem Namen kehrt Ole Wierk, bislang unter dem Pseudonym DJ Valium bekannt, in die Charts zurück. Der Schweizer Pharma-Konzern Hoffmann-LaRoche störte sich nämlich als Inhaber der Marke Valium an der Verwendung dieses Begriffs und erwirkte, dass sich der Dance-Produzent einen neuen Künstlernamen zulegen musste. Als DJ Volume ist er nun zurück – wie gewohnt mit Sängerin Tanja Korb. Der Titel „The Spirit Of Yesterday“ steht auf 92. Wie Sony Music International vermeldet, würde die Drei-CD-Box „The Essential Bruce Springsteen“ von den Verkäufen her in dieser Woche eigentlich Rang zehn der Longplay-Hitliste belegen. Da der „Boss“ aber seiner treuen Anhängerschaft einen besonders fanfreundlichen Preis bieten wollte, liegt das Set nun mit einem Handelsabgabepreis von 15,31 Euro unter der für den Hitlisteneintritt eines Dreifach-Albums erforderlichen Mindestpreisgrenze. Dies gilt aber nur für die Erstauflage, die zusätzlich zu zwei Best-of-CDs einen dritten Tonträger mit Raritäten enthält. Ab 2004 wird „The Essential Bruce Springsteen“ nur noch als Doppel-CD angeboten und wäre dann beim gleichen Preis chartsfähig.
In den USA hält sich Beyoncé im Verbund mit Sean Paul mit der Single „Baby Boy“ seit acht Wochen auf der Spitzenposition. Sie stand in diesem Jahr mit der Maxi „Crazy In Love“ schon einmal genauso lang auf eins. Mit 16 Wochen auf dem Charts-Thron ist Beyoncé somit als Solistin nur noch eine Woche davon entfernt, den Erfolg ihrer Gruppe Destiny’s Child zu egalisieren. Als deren Mitglied verbrachte sie 17 Wochen auf dem begehrten Platz an der Sonne: eine Woche mit „Bills, Bills, Bills“ (1999), drei Wochen mit Say My Name“ und elf Wochen mit „Independent Women Part I“ (2000) sowie zwei Wochen mit „Bootylicious“ (2001).



