Musik

Charts KW 42: Selbst Robbie muss den Ärzten Vortritt lassen

Die Ärzte holen mit dem Album „Geräusch“ wie schon mit der Vorabsingle aus dem Stand die Pole Position. Mit selten gesungenem Repertoire landet Cecilia Bartoli einen Coup in den Charts, die zudem Ratgeberfunktionen erfüllen.

Im spannenden Dreikampf hochkarätiger Neueuerscheinungen behalten Die Ärzte mit der Doppel-CD „Geräusch“ die Oberhand und verweisen Robbie Williams mit „Live Summer 2003“ sowie Dido mit „Life For Rent“ auf die Ränge zwei und drei. Dabei meldet Capitol/EMI für Williams mit 450.000 ausgelieferten Tonträgern bereits Dreifach-Gold. Hot Action Records, die Platttenfirma der Ärzte, verfolgt laut Geschäftsführer Axel Schulz eine etwas andere Philosophie: „Wir haben nur die vom Handel wirklich georderte Menge an Tonträgern ausgeliefert. Die lag deutlich unter Platin. Wir setzen auf einen organischen Verkaufsprozess, freuen uns über Nachbestellungen und hassen Retouren.“ Schulz sieht „Geräusch“ als Longseller. Entsprechend streut Hot Action Promotion und Marketing „bis Mitte nächsten Jahres. Warum sollen wir Interviews, Anzeigen und Rezensionen überall gleichzeitig platzieren?“ Bislang sorgten Interviews von „Musikexpress“ und „Visions“ bis „FAZ“ und „Frankfurter Rundschau“ für Publicity. Inhaltlich setzen sich in den deutschen Charts immer mehr Titel durch, die praktische Orientierungshilfen in diesen anstrengenden und turbulenten Zeiten bieten. So rät Wolfgang Petry mit „Kein Grund zur Panik“ (Album auf neun) zur Gelassenheit. Dieser Ansicht sind auch Starsailor, die mit der Anmerkung „Silence is Easy“ (61 Longplay) ausdrücken, dass es durchaus machbar ist, Lärm und Gelaber außen vor zu lassen und in völliger Ruhe auszuspannen. Hilfreich fürs Gemüt kann auch schon das Öffnen der Jalousien im Heim sein, wie Milk & Sugar mit „Let The Sunshine In“ ausdrücken (neu bei den Singles auf 92). Mit der Maxime „Ab in den Süden“ (Nummer vier Singles) empfehlen Buddy vs. DJ The Wave einen sofortigen Urlaub in sonnigeren Gefilden. Einen Ortswechsel schlägt auch Norah Jones vor und bietet für einen Trip gleich ihre persönliche Betreuung an: „Come Away With Me“ (55 Longplay).

Probleme können eben gemeinschaftlich, „Hand In Hand“ also, gelöst werden, wie Marshall & Alexander mit ihrem Album vorschlagen (Platz 31). Eine etwas andere Meinung vertritt Gareth Gates, der mit dem Aufruf seines Longplayers „Go Your Own Way“ (50) die konsequente Verfolgung der eigenen Zielsetzungen und Wünsche propagiert. Unterstützung findet er bei Jasmin Wagner, deren Parole „Leb‘ Deinen Traum“ (auf 32 Singles) ins gleiche Horn stößt.

Eine klare Vorgabe gibt Rapper 50 Cent, fokussiert sich dabei aber etwas einseitig auf das zudem lebensgefährliche Ziel der pekuniären Weiterentwicklung: „Get Rich Or Die Tryin‘“ (62 Longplay). Ein wenig Kohle hat aber schon nötig, wer getreu Bens Motto „Kleider machen Leute“ (Single auf 57) ein Aufsehen erregendes Outfit zwecks Steigerung des Ansehens und Selbstwertgefühls ausprobieren will. Laut Sting kann man hingegen seine Mitmenschen am besten für sich einnehmen, indem man Gefühle nach außen kehrt und Herzensbotschaften verschickt: „Send Your Love (Version 1)“ (Single auf 76). Mezzosopranistin Cecilia Bartoli erntet nach Rang 50 für ihre Aufnahmen von Gluck-Arien (2001) nun mit Rang 43 für „The Salieri Album“ wieder einen Erfolg mit eher ausgefallenem Repertoire. Die Popularität der Italienierin resultiert laut Andreas Kluge, Manager Promotion Frontline Classics bei Universal Classics & Jazz, aus dem Zauber ihrer unverwechselbaren Stimme, ihrer exzeptionellen Bühnenpräsenz und aus ihrer Publikumsverbundenheit: „Sie schreibt mit Geduld und Enthusiasmus nach Konzerten noch stundenlang Autogramme.“ Den Erfolg unterstützten Beiträge in „Welt am Sonntag“ oder „Rondo“. Neben der Deutschland-Tour mit dem Salieri-Programm stehen noch verkaufsfördernde Maßnahmen an – wie eine Cover-Story im „Fono-Forum“ sowie im Fernsehen ein Feature in „Aspekte“ (ZDF) am 17. Oktober und ihr erster Auftritt in einer deutschen Talk-Show am 31. Oktober in „Drei nach Neun“ (NDR). Andreas Kluge kann also auch fürs Weihnachtsgeschäft noch einiges erwarten.