Musik

Charts KW 37: TV-Stars verhelfen PIL zu Charts-Rekord

Die Superstars und ihre Verwandten beweisen einen langen Atem, der diese Woche sogar für eine Doppelspitze in den Hitlisten ausreicht. Dagegen rutscht eine traditionsreiche Band auf Bananen zurück in die Erfolgszone.

Neu auf Platz eins bei Singles wie auch den Longplayern steigen diese Woche Acts ein, die aus Casting-Shows stammen. Bei den kurzen Formaten gelingt dem einstigen Heavy-Metal-Sänger Martin Kesici mit dem Song „Angel Of Berlin“ der Sprung an die Spitze. Er stammt aus dem Sat.1-Wettbewerb „Star Search“ und damit aus einem der jüngsten Vertreter der so genannten Casting-Shows. Aus der ersten „Popstars“-Staffel von RTL II entstiegen dagegen bereits im November 2000 die No Angels, die seitdem zwar ein Mitglied, aber offenbar nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Ihr drittes reguläres Studioalbum, rechnet man die jazzigen Exkurse auf dem Album „When The Angels Swing“ nicht mit, wiederholt den Coup der beiden Vorgänger und landet ebenfalls in der ersten Woche auf der Spitzenposition. Den doppelten Erfolg ihrer Künstler Kesici und No Angels wertet die Polydor Island Group (PIL) als Resultat der Strategie, „aus Casting-Acts etablierte Bestseller zu machen“, erklärt PIL-Chef Tom Bohne. Mit den beiden Titeln können Bohne und sein Team zugleich einen Rekord feiern: Es ist die erste Doppelspitze der erst vor sieben Monaten aus den davor unabhängig agierenden Firmen Polydor Island und Mercury entstandenen Universal-Division. „Die No Angels avancierten von einem Casting-Act zu einer der wichtigsten Säulen des nationalen Repertoires in Deutschland“, kommentiert Bohne die Erfolgsgeschichte der zum Quartett geschrumpften Frauenformation, die bislang vier Millionen Tonträger verkauft hat.

Die beiden Nummer-eins-Hits sind diese Woche jedoch nicht die einzigen Gründe, warum in den Berliner PIL-Räumen die Sektknorken knallen dürften. So meldet die neue Label-Kombination aktuell 33 Platzierungen in den Singles- und Album-Charts. Und darunter finden sich wiederum mehr als die Hälfte Titel aus nationalem Repertoire – auch im Longplay-Bereich mit Alben von Star Search – The Voices, Jeanette, Rosenstolz oder dem diese Woche neu eingestiegenen Dance-Projekt RMB & Friends. Über diese nationale Erfolge hinaus weist Bohne auch auf die aktuellen internationalen PIL-Erfolge wie die beiden mit Platin-veredelten Alben von Metallica und Shania Twain hin. Den türkischen Star Mustafa Sandal nahm PIL indes als nationales Signing unter Vertrag und brachte ihn im Verbund mit der Viva-Moderatorin Gülcan in die Singles-Charts, wo ihr Song „Aya Benzer 2003“ auf Position elf residiert.

Gülcans Geburtshilfe für einen Charts-Erfolg mit TV-Unterstützung ist nicht das einzige Beispiel für den ungebrochen hohen Stellenwert von Fernsehformaten für die Charts-Karriere eines Newcomers. So besteht die Singles-Liste aktuell zu elf Prozent aus Acts, die direkt aus Casting- oder „Big Brother“-Formaten kamen oder zumindest mit Soap-Serien erste Schritt, zum Startum wagten: Dazu gehören Titel von „Star Search“ (Platz eins und acht), Judith Lefeber (13), Yvonne Catterfeld (30), Gracia (35), Jeanette (36), Vanessa S. (64), Hella (72 und 91) und Nadja (93). Auch bei den Alben finden sich neben den No Angels mit CDs von „Star Search“ (Platz 13), Yvonne Catterfeld (31), Jeanette (43) und Vanessa (71) weitere TV-unterstützte Künstler. Ganz ohne Fernsehen landeten indes die Hardrock-Pioniere Deep Purple wieder hoch oben in den Charts. Ihr 18. Studioalbum, „Bananas“ (Capitol/ EMI), steigt mit einem Satz auf den dritten Platz ein. Höher tummelten sich nur die bislang sechs Nummer-eins-Alben der Band sowie zwei weitere Alben, die bis auf Rang zwei und drei kamen. Die höchste Charts-Platzierung vor „Bananas“ war zuletzt die Langspielplatte „House Of Blue Light“, die sich 1987 den Spitzenplatz in Deutschland sicherte – einem Territorium, in dem die Band besonders treue Fans besitzt. Denn mit Ausnahme der ersten drei Alben von 1968/69 kamen nahezu alle regulär veröffentlichten Purple-Produktionen in die Charts – insgesamt bislang 25 verschiedene Longplay-Titel.