Musik

Charts KW 36: Startschuss für die Downloadära in den Charts

Erstmals werden in dieser Woche Downloadverkäufe in den deutschen Single-Charts berücksichtigt. Anastacia glänzt mit ihrem Album als Stehauffrau, während Natasha Bedingfield in England und Die Seer in Österreich Hitlisten-Historie schreiben.

In den deutschen Charts beginnt ein neues Zeitalter. Für die aktuellen Top 100 Singles hat Media Control im Auftrag des Bundesverbands Phono erstmals Downloadverkäufe mit berücksichtigt. Die Chartspositionen ergeben sich fortan aus der Addition der Verkäufe physischer Singles und der Zahl heruntergeladener Titel aus legalen Online-Angeboten. Dabei zählen sowohl einzelne Downloadtracks als auch Downloadsingles mit mehreren Titeln. Auch Albumtracks, die nicht als Single erschienen sind, aber einzeln im Internet feilgeboten werden, können sich allein aufgrund der Downloadverkäufe für die Top 100 Singles qualifizieren. Ab Mitte September soll es auch die offiziellen Deutschen Downloadcharts als eigenständige Formathitliste geben. Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, erklärt die Notwendigkeit der Neuerung: „Die neuen Downloadcharts sind ein Zeichen für den durchstartenden Musikmarkt im Internet, der täglich weiter wächst.“

Wie Gebhardt betont, werden in Deutschland monatlich mehr als eine Million Musiktitel heruntergeladen: „Für die Charts ist das eine wichtige Größenordnung. Mit den Downloadcharts sind wir in Deutschland noch näher an den Vorlieben der Musikfans – und die ersten in Europa.“ Hartmut Spiesecke, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Phonoverbände, ergänzt im Gespräch mit musikwoche: „Bislang zählen nur in den USA Downloadverkäufe mit.“ Der Einstieg ins Downloadzeitalter sei reibungslos verlaufen: „Der Auftakt hat sehr gut geklappt. Es sind ja relativ wenige große Anbieter, deren Verkäufe signifikant sind. Die liefern ihre Zahlen zuverlässig, sodass es bei der Ermittlung der neuen Singlescharts keine Verzögerungen gab“, bekräftigt Spiesecke. An der Erhebung seien alle wichtigen Downloadanbieter beteiligt, die ihre Verkaufszahlen wie die Tonträgerhändler elektronisch an Media Control übermitteln.

„Wir freuen uns sehr über die gute Zusammenarbeit mit Händlern im physischen und im Online-Markt. Sie ist die Grundlage für diesen wichtigen Schritt“, erklärt Alexander Maurus, General Manager Warner Music Germany und frisch gebackener Vorsitzender des Chart- und Marketingausschusses im Bundesverband Phono. „Musikfans können sich in Zukunft also auch darüber informieren, welche Hits im Internet top sind. Und die Charts bilden den Musikmarkt noch genauer ab“, so Maurus. Auch bei den Alben bereiten Bundesverband Phono und Media Control die Einbeziehung von Downloadverkäufen vor. Wann diese nächste Stufe der Charts-Reform realisiert wird, steht laut Hartmut Spiesecke indessen bislang noch nicht fest.

Die neuen Regularien sind im Sommerloch fast spannender als das aktuelle Geschehen in den deutschen Hitlisten, in denen sich keine neuen Titel im Vorderfeld platzieren können. Die höchsten Neueinstiege landen zwei hoffnungsvolle deutschsprachige Gitarrenpop-Bands. Bei den Singles debütiert „Ein ganzer Sommer“, ein veritabler Ohrwurm von Virgina Jetzt!, auf Rang 30. Bei den Longplayern legt die Gruppe Kante mit dem Album „Zombi“ auf Rang 32 den erfolgreichsten Start der Woche hin. Wie einst der Boxer Muhammad Ali durchbricht Anastacia mit ihrem gleichnamigen Album zum zweiten Mal die alte Faustregel „They never come back“ und erklimmt erneut den Charts-Gipfel in Deutschland. Auch in den Euro-Charts schwingt sich die kampfstarke Soul-Rock-Sängerin in der 20. Woche von Platz zwei wieder an die Spitze.

In der britischen Singles-Hitliste übernimmt Natasha Bedingfield mit „These Words“ die Führung. Die 22-Jährige ist die Schwester von Daniel Bedingfield, der in den letzten drei Jahren jeweils eine Nummer eins in UK verbuchte: 2001 lag er mit „Gotta Get Thru This“ vorn, 2002 mit „If You’re Not The One“ und 2003 mit „Never Gonna Leave Your Side“. Dass Schwester und Bruder separat Spitzenreiter landen, ist ein Novum in der britischen Charts-Historie. Parallel zum Triumph von Natasha Bedingfield bei den Singles nimmt auch in der UK-Albenhitliste ein BMG-Act die Spitze. Die US-Band Maroon 5 führt mit 28 Wochen Anlaufzeit die „Songs About Jane“ auf den obersten Podestplatz.

In Österreich schreiben Die Seer Charts-Geschichte. Als erster Act überhaupt hält die Band mit dem neuen Spitzenreiter „Über’n Berg“ sowie den Alben „Junischnee“ (sieben) und „Aufwind“ (neun) drei Longplayer gleichzeitig in den Top Ten. Das neue Album hat nach einer Woche schon Platin. „In meinen 20 Jahren Musikbusiness habe ich schon viele unglaubliche Dinge erlebt. Doch der außerordentliche Erfolg der Seer und die unvergleichliche Treue ihrer Fans sind auch für mich etwas Einzigartiges“, jubiliert Horst Unterholzner, General Manager Sony Music Austria.