Musik

Charts KW 35: Russische Diva entert Top Ten

Mit Opernarien entert Anna Netrebko die deutschen Top Ten. So sorgt sie für einen weiteren Höhepunkt in der Erfolgsserie von Universals Klassik- und Jazz-Division. Auch die Rapper Raptile und Sido erregen Aufsehen.

Auf Rang zehn in die deutschen Longplay-Charts steigt Opern-Shootingstar Anna Netrebko mit ihrem zweiten Album „Sempre Libera“ ein, das die Russin mit Claudio Abbado und dem Mahler Chamber Orchestra aufnahm. Mit einem Core-Klassikalbum stößt sie damit in neue Dimensionen vor – „und sie wäre wahrscheinlich in den Top Drei, wenn die Verkäufe aller Klassikhändler für die Charts zählen würden. Allein Beck in München verkaufte 1000 Netrebko-Alben in der VÖ-Woche“, erklärt Christian Kellersmann, Managing Director Universal Classics & Jazz (UC&J). Doch die Sopranistin betört die Massen laut Kellersmann nicht nur als Stimmwunder und Schönheitsideal. Ihr Erfolg resultiere eben auch daher, dass die Künstlerin und ihr Management erkannt hätten, wie wichtig es sei, in einem bedeutenden Klassikmarkt wie Deutschland zur VÖ eines Albums präsent zu sein und aktiv bei der Promotion mitzuwirken.

Dies sei bei vielen Opernstars nicht der Fall, die eher auf hohe Gagen bei Auftritten setzten denn auf Plattenabsätze. Die Medienpräsenz Anna Netrebkos in Deutschland manifestiert sich in Fotostorys, Interviews und ausführlichen Berichten von „Hörzu“ bis hin zur „rtv“-Titelgeschichte. Lang anhaltendes Interesse für das Album versprechen noch massenwirksame Auftritte im ZDF: Ihr Konzert in der Berliner Waldbühne am 28. August überträgt der Mainzer Sender zeitversetzt am 5. September. Am 19. September ist sie zu Gast bei „Sunday Night Classics“, und Thomas Gottschalk erwartet die Ausnahmesängerin am 11. Dezember bei „Wetten, dass…?“. Im Kinofilm „Princess Diaries 2“, der im September startet, spielt die Sängerin sich selbst und singt die Titelarie des Albums.

Anna Netrebkos Triumph krönt eine Serie von Charts-Erfolgen von UC&J in diesem Jahr mit Netrebkos DVD (höchste Platzierung: 83), dem Carnegie-Hall-Mitschnitt des chinesischen Klassikpianisten Lang Lang (69), Diana Kralls „The Girl In The Other Room“ (sieben), „That Summer“ von Trompeter Till Brönner (17) sowie den Debüt-Alben von Jamie Cullum (57) und Nylon (87). Diese blendend aussehenden und musikalisch kompetenten Künstler“ besitzen laut Kellersmann durchweg Starqualitäten und sind für ihn Beleg, dass die erste Dekade dieses Jahrtausends zum „Jahrzehnt von Klassik und Jazz“ zu werden verspricht. „Das Potenzial für diese Musikrichtungen ist enorm – und wenn man die Leute, die sich dafür interessieren, mit der Nase auf die richtigen Künstler stößt, kaufen sie auch CDs.

Die Hörgewohnheiten haben sich insofern geändert, als heute die Generation der 40-Jährigen neben Rock und Pop auch Klassik und Jazz hört. Das war vor 15, 20 Jahren noch kaum der Fall“, resümiert Christian Kellersmann. „Wenn man heute abends ausgeht, läuft zunehmend wieder Jazz in Bars und Clubs. Und auch zur Klassik finden immer mehr Leute Zugang, die beispielsweise durch neue Künstler wie Anna Netrebko oder Lang Lang entdecken, dass man sich klassischer Musik einfach genussvoll hingeben kann.“ Die Klassik ist laut Kellersmann auf einem guten Weg, das alte Image von Strenge und pädagogischem Anspruch abzulegen und statt dessen von unbefangenen Hörern als emotionales Erlebnis wahrgenommen zu werden.

Den höchsten Neueinstieg in den deutschen Charts landet Raptile mit dem Album „Classic Material“, das auf Rang acht debütiert. Der Münchner HipHop-Künstler mit internationalem Anspruch (siehe Heft 31/04) rappt hier komplett auf Englisch. Der Erfolg in den deutschen Charts gibt ihm Recht. Raptile reüssierte bereits im Singles-Segment: „Make Y’All Bounce“, seine Kooperation mit Xzibit, brachte es im Frühjahr auf Rang 24. Die aktuelle Single, „Da Unbeatables“ mit Gaststimme Valezka erreichte als höchsten Rang Platz 14 (diese Woche auf Platz15).

Das Berliner HipHop-Label Aggro Berlin und Vertriebspartner Groove Attack sind in Hochstimmung ob der Charts-Präsenz ihres Zugpferdes Sido. „Maske“, das Album des Rappers, hält sich bereits seit 16 Wochen in den Charts (höchste Position: drei, diese Woche auf 35) und steuert auf Gold zu. „Ein Erfolg, der nur durch den vollen Einsatz des Künstlers sowie eine hervorragend motivierte und Hand in Hand gehende Label- und Vertriebsarbeit möglich geworden ist“, betont Ramin Bozorgzadeh, der bei Groove Attack unter anderem als Distribution- und Labelmanager agiert. In den Singles-Charts ist Sido derzeit dreifach vertreten: „Fuffies im Club“ belegt Platz 22 (letzte Woche: 18). Der Langzeithit „Mein Block“, hält sich in der 19. Charts-Woche auf Position 64. Einen Platz davor findet sich als Neueinsteiger Sidos neuester Singles-Streich, der „Arschf*cksong“. Und mit „Aggroberlina“ von Fler auf Platz 59 verbuchen die Partner Aggro Berlin und Groove Attack eine weitere Platzierung in der Singles-Hitliste.