Ausgerechnet mit einem Song namens „In The Shadows“ tritt die in Deutschland von Motor Music/MUD vermarktete Band The Rasmus ins helle Licht der Charts. Der Song des Rock-Quartetts aus Helsinki klettert – unterstützt von Heavy Rotation bei den Musiksendern – in der fünften Woche an die Spitze der Singles-Liste und zieht auch das aktuelle Album „Dead Letters“ mit sich: Die CD macht einen Satz von zwölf auf drei. Vor dem Erfolg der Band, die zunächst bei Warner Finnland unter Vertrag stand, gab es eine lange Aufbauphase. Das Vorgängeralbum „Into“ aus dem Jahr 2001, das von edel vertrieben wurde, verfehlte noch die deutschen Charts, erst mit dem fünften Longplayer schaffte die Gruppe, die in Skandinavien schon zahlreiche Gold- und Platin-Auszeichnungen einheimsen konnte, auch den Durchbruch in Deutschland.
Den deutschlandweiten Durchbruch hat von Berlin aus der Newcomer PR Kantate in Angriff genommen – sehr erfolgreich, wie sich diese Woche zeigt. Die Single „Görli, Görli„, die auf einem alten Reggae-Riddim basiert, erklimmt mühelos Rang 40 der Singles-Charts. Weil der Berliner Sender Top 80 die neue inoffizielle Hymne auf die Hauptstadt und den Görlitzer Bahnhof unaufhörlich spielte, kam sie in die Airplay-Charts von Media Control und ging von dort ihren Weg, wie Dietrich Eggert, General Manager V2, erklärt: „Wir haben den Track im März als Demo gehört, und alle Mitarbeiter von V2 waren total begeistert, weil der Song das Berliner Lebensgefühl so gut transportiert.“ Nach V2-Angaben war der Track in der Veröffentlichungswoche die mit Abstand bestverkaufte Single im Großraum Berlin und verkaufte in einigen Läden drei- bis viermal soviel wie jede andere Single. „Natürlich hoffen wir jetzt darauf, dass sich dieser Berliner Vibe auch auf andere Regionen überträgt. ‚Görli, Görli‘ ist der Beweis dafür, dass Sommerhits – zumindest in Berlin – nicht unbedingt immer aus dem Ausland kommen müssen“, sagt Eggert. Alles andere als Newcomer-Themen haben jedoch auch diese Woche wieder ihre Chance in den Charts. In Amerika stellt „Strays„, das Comeback-Album der Indie-Funk-Band Jane’s Addiction 15 Jahre nach dem Debüt in den „Billboard“-Charts mit der Platte „Nothing’s Shocking“ das erste Top-Ten-Album der Formation. In Deutschland rangiert die von Capitol/EMI veröffentlichte CD auf Platz 50.
Ein ähnlich erstaunliches Comeback legt die 1979 gegründete englische Band Killing Joke auf das Charts-Parkett. Sie war bislang in Deutschland 1985 am erfolgreichsten mit ihrer Hit-Single „Love Like Blood“, zudem konnten die letzten beiden Studio-Alben, „Pandemonium“ (1994) und „Democracy“ (1996), die Longplay-Charts streifen. Die aktuelle CD „Killing Joke“ entert die Media-Control-Auswertung auf Rang 65.
Noch überraschender ist der Charts-Einstieg des Künstlers, der früher als „The Artist Formerly Known As Prince“ firmierte und nun wieder Prince genannt werden will. Sein konzeptionell höchst anspruchsvolles Album „N.E.W.S.„, auf dem der kleine Mann aus Minneapolis mit kammermusikartigen Jazz-Instrumentals die vier Himmelsrichtungen vertont, kann sich auf Platz 93 in die Charts schieben. Zugleich markiert es den ersten Charts-Entry für die Berliner Firma MP Media, die Prince höchstpersönlich als Vertriebspartner wählte. Sein letztes reguläres Studioalbum, das in Deutschland die Longplay-Liste erreichte, war 1999 die von BMG vertriebene Aufnahme „Rave Un2 The Joy Fantastic„, die bis auf Platz 53 kam.
Und auch Kiss wenden ihre maskenverhangenen Gesichter wieder den deutschen Charts zu. Die nun bei Sanctuary unter Vertrag stehende Band stürmt mit dem vierten Teil ihrer Live-Saga „Alive“ auf Rang 15 – Teil drei kam 1993 bis auf Position 57, während sich die ersten beiden „Alive“-Folgen in Deutschland nicht in den Hitlisten platzieren konnten. Das letzte reguläre Studioalbum der Formation, „Psycho Circus„, sicherte sich 1998 den fünften Platz.



