Musik

Charts KW 29: Heimliche Charts-Hauptstadt Hannover

Nach dem Motto „Acht auf einen Streich“
sorgt SPV flächendeckend für Furore in der deutschen Longplay-Hitliste. Ein Kind des Schicksals spricht international die meisten Plattenkäufer an. Und Charts-Einstiege von Otto bis Ambra demonstrieren die wachsende Bandbreite des Formats im Musikbereich.

In den vorderen Rängen tut sich wenig in den deutschen Charts: deutliches Anzeichen für die geringe Anzahl von Massen mobilisierenden Veröffentlichungen im Sommerloch. Ein Fremdwort ist dieser Begriff indes für SPV. Aus dem Vertrieb der Hannoveraner Plattenfirma platzieren sich in dieser Woche gleich acht Longplay-Titel in den Top 100 und sorgen für einen imposanten Charts-Anteil von 7,42 Prozent für die Mannschaft von Manfred Schütz. Da ist beispielsweise die Kooperation mit IN-motion weiter einträglich mit den Tonträgererfolgen von Xavier Naidoo, der nach dem Start seiner Open-Air-Tour mit der Live-Doppel-CD beziehungsweise -DVD „Alles Gute vor uns“ von elf auf acht klettert. Auch das letzte Studiowerk des Mannheimers, „Zwischenspiel/Alles für den Herrn„, zeigt mit einer Verbesserung von 66 auf 60 wieder aufsteigende Tendenz. Weiter gut im Rennen für SPV sind Simply Red mit „Home“ (21) und Carla Bruni mit „Quelqu’Un M’A Dit (Digipack)“ (27). Und dazu kann das SPV-Team gleich auf vier Neueinsteiger anstoßen. So entert das folkbetonte Projekt des früheren Gitarreros von Deep Purple, Blackmore’s Night, mit „Ghost Of A Rose“ die Hitliste als höchster neuer Titel auf Platz elf. The Who sind mit dem Konzertmitschnitt „Live At The Royal Albert Hall“ neu auf Position 43 dabei (Für dieses Ergebnis zählt indes auch die gleichnamige DVD mit, die bei BMG Ariola Media erschien). Auf Rang 58 geben die Neo-Progrocker von Spock’s Beard mit „Feel Euphoria“ der augenblicklichen SPV-Befindlichkeit angemessen Ausdruck. Und die Power-Metaller von Brainstorm komplettieren auf Rang 73 mit „Soul Temptation“ das besonders für einen Indie Respekt erheischende Ergebnis. Manfred Schütz erwartet indes in Zukunft noch mehr: „Das war ein guter Anfang, Weiter so!“ lautet sein von musikwoche zwischen Tür und Angel eingeholter Kurzkommentar. Beyoncé Knowles von Destiny’s Child schwingt sich mit ihren Soloveröffentlichungen, die nur unter ihrem Vornamen gelistet sind, zu neuen Höhenflügen auf. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien führt sie mit dem Album „Dangerously In Love“ und der Single „Crazy In Love„, einer Kollaberation mit Rapper Jay-Z, die Charts an. In Deutschland ist die Single auf Rang sechs höchster Neueinsteiger. „Crazy In Love“ enthält ein Sample des Songs „Are You My Woman (Tell Me So)“ von den Chi-Lites aus dem Jahre 1970. Deren Mitglied Eugene Record, Autor des Stücks, verfasste zwei Jahre später für die Chi-Lites auch den amerikanischen Nummer-eins-Hit „Oh Girl“. Als Komponist kann er mit Beyoncés Hit-Maxi, die ihn als Ko-Autor führt, damit eine Spanne von 31 Jahren, einem Monat und zwei Wochen zwischen seinem ersten und letzten Nummer-eins-Hit vorweisen. Das ist zwar kein Rekord für Record, aber immerhin der sechste Platz in der ewigen Bestenliste in dieser Rubrik.

In den deutschen Longplay-Charts platzieren sich zwei neue DVDs aktuell im Mittelfeld. Von null auf 45 geht „Otto – Die DVD„, die Format-Premiere des ostfriesischen Blödelbarden. Seine große Zeit als Tonträgerstar hatte Otto Waalkes in seinen Anfangsjahren seiner Karriere, als er dreimal auf Rang eins der Charts kam: 1973 mit „Otto live im Audimax Hamburg“, ein Jahr später mit „Otto – Die Zweite“ und 1976 mit „Das vierte Programm“. Eine DVD ganz anderer Art ist neu auf 59 dabei mit „Child Of The Universe“ von Ambra. Damit steht erstmals ein digitaler Bildtonträger mit speziell für das Format komponierter Musik in den Charts. Naturaufnahmen und Computeranimationen kombinieren die Brüder Giorgio und Martin Kopehele mit einem Mix aus Klassik-, Ethno- und Elektronik-Klängen. Bereits ihr voriges DVD-Musikprojekt „Honour & Glory“ fand 80.000 Käufer.