Musik

Charts KW 29: „Big Brother“-Besucher knacken die Charts

Der vorsichtige Sommerbeginn schlägt sich auch in den deutschen Charts nieder. Als neue Hits bewerben sich ein frischer Container-Kracher, eine Hintern-Hymne und ein Album von Ex-Beach-Boy Brian Wilson.

Als höchster Neueinsteiger in die deutschen Singles-Charts listet Media Control in dieser Woche den sommerlich beschwingten Song „Veo Veo“ von der gefährlich klingenden Formation Hot Banditos. Das Trio, ein Signing der Universal Domestic Division, verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt einem Auftritt bei der RTL-II-Serie „Big Brother“. Anders als bei der letzten Veröffentlichung aus dem Container-Haus, als sich die Bewohner am Madness-Song „Our House“ versuchten, durften die Hausinsassen von RTL II dieses Mal jedoch nicht ihre Gesangstalente erproben. Dafür verpflichtete Universal die Brasilianerin Fernanda, ihre Partnerin Gabriela und den 23-jährigen Silva, die eine neue Version des bekannten spanischen Kinderliedes aufnahmen. In Deutschland gibt es bereits eine Version des Stückes von Volker Rosin, ein Künstler aus dem Segment der Kinderunterhaltung. Und auch mit dem kriminellen Banditen-Namen schnupperte eine weitere Formation schon vor Hot Banditos Charts-Luft: Die entflohenen Knastschwestern Bandits landeten 1997 mit ihren Song „Catch Me“ auf Rang 42. Zudem machte ein Künstler namens Bandit anno 1993 die deutschen Charts unsicher: Sein Song „Zeit für mich“ holte damals Platz 65.

Einen weiteren Sommerhit-Kandidaten wollen MC Ronin feat. Nina lancieren: Ihre hiphoppige „Arschzeit“ lädt auf Platz 90 der Singles-Liste zu körperbetonten Aktionen ein. Der ewige Meister des Sommerliedes, Brian Wilson, dem jedoch auch die Nachtseite von Sonne, Strand und Bikini-Mädchen nicht unbekannt ist, zieht mit seinem erst dritten regulären Studioalbum, „Gettin‘ In Over My Head“, auf Platz 61 in die deutschen Charts ein. Hierzulande gelingt dem Pop-Genie damit seine erste Nennung in einer Liste von Media Control unter eigenem Namen – unterstützt durch einen viel umjubelten Auftritt in Frankfurt, dem im August ein weiterer in Bonn folgen wird. Mit seinen Beach Boys war Wilson indes ein Dauergast in den deutschen Charts. Beginnend mit dem „Concert“-Album von 1965 enterten bis Ende der 60er-Jahre fast alle Alben der kalifornischen Band in die Hitparade. Am besten behauptete sich dabei die „Party!“-LP, die 1966 bis auf Rang vier vorstieß. Das heute als Meisterwerk gefeierte Album „Pet Sounds“ kam im gleichen Jahr indes nur auf Platz 16.

Mit viel harter Arbeit feiert die Marketingagentur Artepublica den bereits dritten Charts-Einstieg eines Künstlers, den die Firma aus Witten betreut: Das Album „Six Feet Underground“ von der Band De/Vision stellt diese Woche den zweithöchsten Neueinsteiger in der Longplay-Liste, nachdem bereits Schandmaul und Xandria in die Charts Einzug gehalten hatten. Der Erfolg von De/Vision geschieht zudem fast genau ein halbes Jahr nach Firmengründung, wie Marius Kopec, Geschäftsführer Artepublica, erklärt: „Als ich mich im Januar mit meiner Firma selbstständig machte, konnte ich natürlich nicht ahnen, dass es so gut laufen wird. Drei Top-50-Platzierungen in sechs Monaten sind eine super Ausbeute, und dass wir mit der sehr jungen Band Xandria bereits seit sechs Wochen in den Charts stehen, ist sogar eine kleine Sensation.“ Als Gründe für den Erfolg der drei Formationen nennt Kopec den beständigen Künstleraufbau: „Es bewahrheitet sich die alte Weisheit, dass sich Qualität kombiniert mit guter Arbeit durchsetzt. Alle drei Bands spielen auf einem hohen Niveau und sind hervorragende Künstler. Dies zeigt auch den sicheren Geschmack und den guten Riecher, den die Labels Drakkar bei Xandria und De/Vision, sowie F.A.M.E Recordings bei Schandmaul für die Anforderungen des Markts zeigten. Die Leute wollen zur Zeit ganz eindeutig interessante, auch teils originelle Musik hören, die vor einigen Jahren noch als reine Szenemusik abgetan wurde.“

Ab dieser Ausgabe finden Sie die detaillierten Grafiken der Charts-Auswertungen noch übersichtlicher zusammengefasst auf einer Seite. So bietet die neu gestaltete Übersicht über die Entwicklung der Charts-Anteile, die Sie in diesem Heft auf Seite 42 lesen können, auf einen Blick die Analyse der Werte von allen Majors und Indie-Firmen. Ebenfalls neu ist die Anordnung der fünf Major-Konzerne in den Grafiken: Sie richtet sich nach der Höhe des kumulierten Charts-Werts. Ganz links steht der Konzern mit dem höchsten Anteil, danach folgen absteigend die übrigen vier Majors sowie die Ergebnisse der Indies.