Musik

Charts KW 28: Charts-Inferno wirbelt Warner und BMG herum

Heftig-deftiger Metal, Punk und Gitarrenrock englischer, amerikanischer wie auch deutscher Provenienz verleihen den Charts wieder ein härteres Gesicht. Einiges ändert sich ab dieser Woche für BMG und Warner, die fortan nur noch den Konzernwert in die Auswertung der Charts-Anteile einbringen.

Bei den Singles führt die englische Band Busted die Punk-Invasion auf Rang 51 an. Das Trio verzeichnet mit „Air Hostess“ seinen bereits sechsten Kracher in der deutschen Singles-Liste. Am höchsten schlugen die Charts-Flammen bei der Coverversion des Extrabreit-Klassikers „Hurra, Hurra, die Schule brennt“, die vor drei Jahren hierzulande Platz 19 erreichte. Rückendeckung erhalten Busted von ihren amerikanischen Kollegen von Blink 182, die mit „Down“ auf Rang 76 einsteigen. Ebenfalls aus Amerika stammen Hoobastank, die mit hartem, aber melodischen Gitarrenrock und dem Album „The Reason“ die deutschen Charts auf Position 84 entern. Aus Deutschland melden sich die Donots wieder zu Wort. Das vierte Album der Punkrock-Recken, „Got The Noise“, landet auf Position 17 – bereits einen Platz höher als die bislang bestplatzierte CD der Truppe, „Amplify The Good Times“, die im Jahr 2002 bis auf Rang 18 vorstieß.

Die Brücke zum Metal schlägt die deutsche Heavy-Formation Edguy, deren Single „Lavatory Love Machine“ in der ersten Platzierungswoche Position 74 erreicht. Die Urmutter aller Metal-Bands, die auch auf Punk-Combos einen epochalen Einfluss ausübte, richtet in höheren Regionen derweil ein Charts-Inferno an. Denn „Inferno“, das 18. reguläre Studioalbum von Motörhead, stürmt mühelos in die deutschen Top Ten. „Die größte Rock’n’Roll-Band der Welt hat grandios zugeschlagen“, kommentiert SPV, seit 1996 Heimatlabel der Band um Ian „Lemmy“ Kilminster. Eine starke Live-Präsenz bei den beiden Festivals Rock am Ring und Rock im Park bereitete diesen Triumph vor; Auftritte bei „tv total“ (1. Juli) und „Top Of The Pops“ (3. Juli) sollen den Kult um Motörhead noch stärker in klingende Münze umsetzten. Denn erst unter der Ägide von SPV gelang es der Band wieder, hoch in die deutschen Charts zu kommen. Das aktuelle Album markiert nun den Höhepunkt dieser Entwicklung: Es erreicht mit Platz zehn die beste Charts-Position in Deutschland.

Bislang waren Motörhead nur in ihrer Heimat England eine Top-Ten-Band. Dort wurde ihr Live-Album, „No Sleep ‚Til Hammersmith, 1980 gar Nummer eins. In Deutschland fasste die Band mit dieser Platte erstmals in den Charts von Media Control Fuß, die LP erreichte damals Platz zwölf. Erst mit „Inferno“ kann die Gruppe dieses Ergebnis nach 24 Jahren nun toppen. Zwischenzeitlich schaffte es nur das 1991 von Sony veröffentlichte Album, „1916“, in die deutsche Top 20, und zwar auf Rang 14. SPV baute die Formation in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre kontinuierlich auf: „Sacrifice“ kam 1995 bis auf Rang 31, „Overnight Sensation“ ein Jahr später auf 71. Dann kletterte die Kurve wieder nach oben: „Snake Bite Love“ holte 1998 Position 47, „We Are Motörhead“ (2000) schaffte es auf Platz 21 und „Hammered“ boxte sich 2002 auf 39 vor. In den USA steigt das erste Beastie-Boys-Album nach sechs Jahren, „To The 5 Boroughs“, auf der Spitzenposition in die Billboard-Charts ein. Damit schließt sich für Andy Slater, President und CEO von Capitol USA, ein Kreis: Er hatte einst noch als Manager der Band dafür gesorgt, dass die Beastie Boys 1989 nach dem Streit mit dem Label Def Jam für das Album „Paul’s Boutique“ zur EMI-Firma wechselten.

Media Control GfK International meldet eine Änderung bei der Auswertung der Firmen, Konzerne und ihren entsprechenden Charts-Anteilen. So finden die Umstrukturierungen bei den Majors nun auch Niederschlag in der Charts-Wirklichkeit. Was für die Warner Music Group bereits seit vergangener Woche gültig ist, trifft fortan auch für BMG zu. Denn beide Konzerne verzichten ab sofort darauf, die Werte ihrer Repertoirefirmen wea, eastwest und Warner Strategic Marketing beziehungsweise BMG Ariola München und BMG Berlin separat auszugeben. Stattdessen veröffentlichen die Charts-Ermittler aus Baden-Baden auf Wunsch von Warner und BMG fortan nur noch den zur Konzernzahl zusammengezogenen Wert. musikwoche reagiert darauf mit einer Änderung in den Charts-Graphiken auf den Seiten 38 und 40. Hier entfallen in den Schaubildern „Gewichtete Charts-Anteile Longplay & Singles 2004“ die Balken für die einzelnen Repertoire-Divisionen von BMG und Warner Music.