Musik

Charts KW 26: Live-Konserven auf der Überholspur

Aufzeichnungen von Konzerten auf CDs und Bildtonträgern erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei deutschen Musikhörern. Comebacks verbuchen Annie Lennox, Peter Schilling und Eurodance.

Trotz Überangebots an großen Tourneen und Open Airs können die deutschen Fans gar nicht genug von Live-Musik kriegen und kaufen vermehrt Konzertkonserven auf CD und/oder DVD. Auf beiden Formaten erhältlich ist „Alles Gute vor uns„, das Dokument von Xavier Naidoos Gig vom 19. September 2002 in der Frankfurter Jahrhunderthalle, das derzeit Rang zehn einnimmt (Vorwoche acht). Nach dem Auftakt ihrer Freiluft-Tour unter dem Motto „Macht Liebe draußen“ springen Rosenstolz mit dem ebenfalls auf CD und DVD gespeicherten Konzerterlebnis fürs Wohnzimmer namens „Live aus Berlin“ von 55 auf elf. Eine schöne Erinnerung an Freddie Mercury liefert „Live At Wembley Stadium“ von Queen. Die DVD-Premiere des Events aus dem Jahre 1986 ist maßgeblich für die Charts-Notierung auf Rang 31 verantwortlich. Media Control wertet den Titel aber als Wiedereinsteiger, da es auch eine Doppel-CD zu dem Konzert gibt. Die datiert aber bereits aus dem Jahre 1992 und erreichte damals Position 20. Liedermacher-Legende Reinhard Mey macht mit der Live-CD beziehungsweise Doppel-DVD „Klaar Kiming“ einen deutlichen Satz nach oben von 89 auf 54. Nur auf zwei DVDs gibt es „Trilogy – Live In Berlin“ von The Cure (Platz 72, Vorwoche: 28). Paul McCartney ist schließlich sowohl mit dem Tonträger „Back In The World“ (91) wie mit der DVD „Back In The U.S. – Concert Film“ (100) zurück unter den heiligen Hundert.

Die medial ausgiebig gewürdigten Tourneen von Bruce Springsteen und den Rolling Stones schlagen sich in wieder steigenden Verkäufen ihrer letzten Alben nieder. „The Rising“ vom Boss klettert von 59 auf 39, die Hit-Rückschau „Forty Licks“ der Stones von 70 auf 57. Den höchsten Neueinstieg in die Top 100 vollziehen Radiohead mit „Hail To The Thief“ auf Rang drei. Das ist die zweithöchste Notierung für Thom Yorke und Co. nach „Amnesiac“ von 2001 (Platz zwei). In Großbritannien reüssiert „Hail To The Thief“ derweil als vierte Nummer eins in Folge für die Band nach „OK Computer“ (1997), „Kid A“ (2000) und besagtem „Amnesiac“.

Ein geglücktes Comeback landet Eurythmics-Chanteuse Annie Lennox mit dem Album „Bare“ auf Platz fünf. In Deutschland sorgte sie als Solistin zuletzt 1995 für Furore mit „Medusa“ (Rang vier). Bei den Singles ist Peter Schilling mit „Terra Titanic“ (89) erstmals seit 1994 wieder dabei, als „Major Tom ’94“ im Verbund mit Bomm-Bastic bis auf Position 29 kam. Sein originaler „Major Tom“ (1982) war natürlich eine Nummer eins.

Nach Achtziger- und Siebziger-Revival kommt jetzt auch Eurodance der 90er-Jahre wieder in Mode. So sind bei den Compilations die „Fetenhits – Eurodance Classics 1992-1996“ Top-Einsteiger auf vier. Bei den Singles sind Culture Beat mit „Mr. Vain Recall„, einer neuen Variante ihres Spitzenreiters von 1993, wieder im Geschäft. Und auch Snap! vermengen auf „The Power Of Bhangra 2003“ (21) trendigen Bollywood-Dance mit ihrem Erkennungssong „The Power“ (1990 auf zwei).

St. Anger„, das neue Album von Metallica, dominiert eindeutig die internationalen Hitlisten und fand weltweit schon 1,3 Millionen Käufer. Der Longplayer ist Nummer eins in Deutschland, den USA, Mexiko, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Polen, Portugal und in den Euro-Charts. Zweite Plätze belegt „St. Anger“ in der Schweiz, Spanien und Chile, Rang drei in Österreich, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Ungarn, Rang vier in Großbritannien (Vorwoche: drei). Seit ihrem Debüt 1983 mit „Kill ‚em All“ setzte die Band bis heute global nach neuesten Zahlen rund 85 Millionen Alben ab.