Mey-Andacht: Reinhard Mey darf sich jedenfalls über die seltene Ehre freuen, dass sein aktuelles Album, „Rüm Hart“, in dieser Woche auf Platz vier einsteigt – 31 Jahre nach seinem ersten Charts-Erfolg mit der Langspielplatte „Reinhard Mey live“, die seinerzeit Rang neun erreichte. Und seit damals war Mey eigentlich immer dabei, wobei lediglich die Nummer-eins-Platzierung seines Longplayers „Mein achtel Lorbeerblatt“ von 1972 diejenige von „Rüm Hart“ übertraf. Auf dem dritten Platz der ganz speziellen Mey-Parade steht das Album „Flaschenpost“ von 1998, das bis auf Rang sieben kam. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass der Liedermacher und Poet vom Anfang bis zum Ende seiner Plattenfirma Intercord treu blieb. Was dazu führte, dass Mey jetzt – wie das Leben so spielt – auf dem Label Capitol erscheint.
Apropos Vergangenheitsbewältigung: Mit der LP „Living In Past“ erreichte die Gruppe Jethro Tull im Juni 1972 Platz acht der deutschen Langspielplatten-Hitparade. 30 Jahre danach entert die Truppe um den Flöte spielenden Lachszüchter Ian Anderson mit „Living With The Past“ auf Rang 75 die Arena. Das Hitparadendebüt feierte Jethro Tull allerdings bereits im Herbst 1969 mit dem Album „Stand Up“. Seit 30 Jahren in den Charts dabei ist im übrigen auch Neil Young, der mit „Are You Passionate?“ diese Woche auf Platz 66 steht – 1972 kam er mit „Harvest“ auf Rang vier. Mit solcher Langlebigkeit kann die Gruppe Supertramp – diese Woche mit dem Album „Slow Motion“ auf 77 – noch nicht ganz mithalten: Ihr Debüt „Even In The Quietest Moments“ schaffte es vor genau 25 Jahren bis auf Platz 14 der deutschen Longplay-Charts.
Fünfjahresplan: Anno 1997 lag Supertramp mit „Some Things Never Change“ übrigens ebenfalls gut im Rennen – und zwar auf Rang 14 der deutschen Longplay-Charts. Was sagt uns das? Es mag ja stimmen, dass die Pop-Welt immer schnelllebiger wird. Aber dennoch zeigt der Vergleich der 21. Woche 1997 mit den aktuellen Top 100, dass sich manche Dinge anscheinend doch nicht so sehr ändern: Modern Talking und die Kelly Family waren vor fünf Jahren schon genauso dabei wie Celine Dion und Patricia Kaas, Fury In The Slaughterhouse und Rammstein ebenso wie DJ BoBo und Alanis Morissette. Grund zur Hoffnung?



