Musik

CD-Brennerei überholt reguläre Verkäufe

Der österreichische Tonträgermarkt büßte im Vergleich zum Vorjahr nach Umsätzen 7,9 Prozent ein. Als größtes Problem brennt der Branche die Zahl der kopierten CD-Rs unter den Nägeln. Dagegen konnten sich nationale Produkte behaupten und die Handelslandschaft ein wenig beruhigen.

„24 Millionen digitale Musikkopien, das hat mit der guten alten Privatkopie aus den 80er-Jahren nichts mehr zu tun – im Durchschnitt gingen vier bis fünf Millionen Leerkassetten pro Jahr in den Markt. Hier findet doch eine schleichende Enteignung statt“, erklären IFPI-Präsident Manfred Lappe und IFPI-Geschäftsführer Dr. Franz Medwenitsch im aktuellen Lagebericht zum österreichischen Tonträgermarkt. Mit 24 Millionen Exemplaren überstieg die Zahl der mit Musik bespielten CD-Rs erstmals die der 19 Millionen im vergangenen Jahr regulär verkauften CDs. Die Umsätze der Branche gaben in Österreich binnen fünf Jahren um rund 50 Millionen Euro nach. Von der Poltik erwarten Lappe und Medwenitsch kaum Unterstützung: Die Umsetzung der EU-Urheberrechtsdirektive habe nur Kompromisse gebracht: „Dabei gäbe es doch eine einfache Formel: Geistiges Eigentum ist Eigentum, und Diebstahl ist Diebstahl.“ Im schrumpfenden Gesamtmarkt blieb der Anteil nationaler Produktionen am Tonträgergeschäft im Vergleich zum Vorjahr stabil bei elf Prozent. Die Plattenfirmen kamen in diesem Repertoirebereich auf Umsätze von mehr als 28,5 Millionen Euro.

Das erfolgreichste Album aus heimischer Produktion stammte dabei aus dem Klassik-Segment: Das „Neujahrskonzert 2002“ der Wiener Philharmoniker unter Seiji Ozawa erreichte Rang eins der Longplay-Charts und in der Jahreswertung Platz zwölf. Ebenfalls erfolgreich: Die aktuelle Folge der Reihe „Kiddys Corner Club„, die es auf Position 14 der Jahres-Charts brachte, und die Formation Die Seer, die sich mit ihrem Album „Junischnee“ seit derzeit 45 Wochen in der Hitliste halten, und in der Jahreswertung 2002 Platz 15 belegten. Insgesamt schafften 13 österreichische Album-Produktionen den Sprung unter die Top 100 der Jahres-Charts. Die bestverkaufte österreichische Single steuerte der ORF-Act Professor Kaiser mit dem Song „Was is‘ mit du?“ bei: Der Hit führte die österreichischen Singles-Charts drei Wochen lang an und belegte in der Jahresabrechnung Rang zehn. In der österreichischen Handelslandschaft kamen die Großvertriebsformen auf einen Marktanteil von 67 Prozent und konnten somit die Verluste aus dem Vorjahr teils kompensieren, als die Anteile der Sparte im Zuge der Libro-Krise um drei auf 66 Prozent fielen. Der Internet-Versandhandel legte von drei auf vier Prozent zu, der Direktversand stabilisierte seinen Anteil, und der Fachhandel gab von zwölf auf elf Prozent nach.