Sie war nur für wenige Sekunden im Bild und zudem mit einem silbernen Schmuckstück zumindest partiell bedeckt. Dennoch sorgte die entblößte Brust von Janet Jackson im US-Fernsehen für einen mittelschweren Skandal. Der Sender CBS will deswegen bei der Übertragung der Grammy-Awards, den amerikanischen „Musik-Oskars“, kein Risiko eingehen und strahlt die Show zeitversetzt aus.
Als Reaktion auf die Vorfälle beim Superbowl-Finale – inzwischen als „Nipplegate“ weltweit bekannt – kündigte der TV-Kanal an, am Sonntag bei den Grammy-Awards, bei denen auch Janet Jackson einen Preis verleihen und Justin Timberlake als Show-Act auftreten wird, nicht live zu senden. So habe man die Möglichkeit, verbale und visuelle Obszönitäten vor der Ausstrahlung herauszuschneiden.
Noch ist nicht entschieden, wie groß die Zeitverschiebung sein muss, um auf die befürchteten Entgleisungen reagieren zu können. CBS handle im Einverständnis mit der National Academy of Recording Arts and Sciences, der Ausrichterin der Verleihung, sagte der Sender.
Mittlerweile hat sich Janet Jackson öffentlicht für den Vorfall entschuldigt und die Schuld auf sich genommen: „‚Meine Entscheidung, die Super Bowl Performance zu verändern, fiel nach der Generalprobe. MTV, CBS, die NFL wussten überhaupt nichts davon. Leider ging die Sache schief. Es tut mir echt leid, falls ich jemand beleidigt habe – ehrlich: Das wollte ich nicht!‘ Timberlake hatte sich zuvor bereits seinerseits für den „Materialfehler“ entschuldigt.
Für die beteiligten Sender hat die unverhoffte Präsentation der Jackson-Brust wohl auch wirtschaftliche und rechtliche Folgen: So will die US-amerikanische Medienaufsicht ein Ermittlungsverfahren gegen die Sender MTV und CBS einleiten und untersuchen, ob die beiden Sender des Viacom-Konzerns gegen bestehende Anstandsregeln im US-Fernsehen verstoßen haben. Mancherorts munkelt man bereits von Strafzahlungen in Millionenhöhe
Fest zu stehen scheint außerdem, dass MTV von seiner Konzernschwester CBS den Auftrag zur Produktion der Halbzeit-Show nicht mehr bekommen wird. Das Programm dauert zwar nur eine knappe Viertelstunde, es gilt jedoch als „die teuersten zwölf Minuten im Show-Business“.
Und alles wegen einer halbnackten Brust.


