Die Ullmann-CD von Capriccio, dem Klassik-Label von Delta Music, enthält Aufnahmen von Werken, die der österreichische Komponist während seiner Gefangenschaft im KZ Theresienstadt schrieb, wo er vor seiner Deportation ins Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau inhaftiert war. Dabei handelt es sich um die Sinfonien eins und zwei sowie die Ouvertüre „Don Quixote tanzt Fandango“. Ullmann hatte die Partituren mit vielen Korrekturen versehen auf minderwertigem Papier notiert.
Dem Dirigenten und Komponisten Bernhard Wulff gebührt das Verdienst, diese zum Teil schwer entzifferbaren Partituren für die CD-Aufnahmen mit dem Gürzenich-Orchester Kölner Philharmoniker unter Leitung von James Conlon rekonstruiert zu haben. Sechs Lieder zu Gedichten von Albert Steffen, die Ullmann noch in Freiheit 1937 in seiner Wahlheimat Prag geschrieben hatte, komplettieren das Album. Sie werden hier von der Sopranistin Juliane Banse interpretiert.
Das Werk des einstigen Schülers von Arnold Schönberg und Alexander von Zemlinsky sowie seine tragisch endende Lebensgeschichte beleuchtet die Dokumentation „Fremde Passagiere – Auf den Spuren von Viktor Ullmann“, die Capriccio parallel als DVD veröffentlicht. Außerdem enthält der Bildtonträger ein Interview mit Dirigent Conlon und Impressionen von den Proben zur Sinfonie Nummer zwei. Die DVD im Soundformat Dolby Digital 5.1 bietet den Kommentar wählbar in deutscher, englischer und französischer Sprache. „Beide Produkte zusammen ergänzen sich perfekt als Rundumversorgung für Ullmann-Interessierte“, erklärt Produktmanager und Pressepromoter Gregor Chanteaux.
Als Verfechter der Zwölftonmusik verfemt war der Österreicher Ernst Krenek, dem im Gegensatz zu Viktor Ullmann aber die Flucht nach Amerika gelang (siehe Kasten). Nicht den Nazis, aber den sowjetischen Kulturfunktionären ein Dorn im Ohr als zu sperrig und gewagt war die Musik von Alfred Schnittke, der zudem aufgrund seiner deutsch-jüdischen Herkunft Repressalien seitens der Machthaber ausgesetzt war und von Moskau in den Westen übersiedelte. Geiger Vladimir Spivakov hat für Capriccio ein „Tribute To Alfred Schnittke“ eingespielt.
neuheiten-tipp
Krenek: Streichquartette/String Quartets
Capriccio/Delta Music Best.-Nr.:67015 VÖ:3.Februar


