Musik

Briten wollen weiter für längere Schutzfrist streiten

Der sogenannte Gowers-Bericht brachte der Musikwirtschaft den bereits vorab befürchteten Rückschlag: Die Empfehlung zur Verlängerung der Schutzfristen fiel aus, Privatkopien sollen erlaubt werden. IFPI, BPI und AIM weisen den Bericht deshalb zurück.

Der Bericht einer Expertenkommission der britischen Regierung unter der Leitung des ehemaligen „Financial Times“-Chefredakteurs Andrew Gowers brachte der Musikwirtschaft den bereits vorab befürchteten Rückschlag: So blieb die geforderte Empfehlung zur Verlängerung der Schutzfristen für Interpretationen von 50 auf 95 Jahre aus. Dafür riet die Kommission zur Einführung eines bislang in Großbritannien nicht verbrieften Rechts auf private Kopien, ohne allerdings im Gegenzug eine Abgabe auf Leermedien oder Geräte vorzuschlagen. Die Verbände der Musikwirtschaft und britische Künstler versuchen nun, den Gowers-Report auf das Niveau eines Diskussionsbeitrags herunterzustufen und wollen ihre Forderungen auch weiterhin öffentlich machen – unter anderem mit einer ganzseitigen Anzeige in der Donnerstagsausgabe der „Financial Times“, unterschrieben von Künstlern wie Paul McCartney, Cliff Richard und U2, aber auch Katie Melua oder Simon Rattle.

„Die AIM-Mitglieder sind schwer enttäuscht von den beiden für das Überleben der britischen Musikwirtschaft zentralen Empfehlungen und können diese nur aufs schärfste zurückweisen“, sagte etwa Alison Wenham als CEO des britischen Verbands der unabhängigen Unternehmen. Wer die Praxis des privaten Kopierens als gegeben hinnehme, aber keine entsprechenden Ausgleichszahlungen empfehle, der handele nicht pragmatisch, sondern kapituliere einfach, klagte Wenham. Der Bericht könne deshalb nur als Ausgangspunkt einer noch zu führenden Debatte gesehen werden.

„Der Bericht von Andrew Gowers hat eine großartige Gelegenheit vertan, der britischen Regierung die richtige Richtung zu weisen, um einen der erfolgreichsten nationalen Wirtschaftszweige zu unterstützen“, klagte auch IFPI-Chairman John Kennedy. „Wir glauben, dass die Regierung die Vorschläge deutlich zurückweisen sollte.“ Allein die Gowers-Empfehlungen für eine Anpassung des Strafenkatalogs für Onlinepiraterie an den für physische Piraterie seien willkommen.

Das sah auch BPI-Boss Peter Jamieson so, allerdings will auch er im Namen der britischen Musikwirtschaft weiterhin für eine Verlängerung der Schutzfristen streiten und die Öffentlichkeitsarbeit in diesem Zusammenhang uneingeschränkt fortsetzen.

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