Musik

Brazilian Girls: Chansons und Schockwellen

Dank mehrsprachiger Lieder und ungebremster Reiselust vergrößern die Brazilian Girls kontinuierlich ihre Fangemeinde. Mit „Talk To La Bomb“ (Verve/Universal) präsentiert die Band ihr bisher vielseitigstes Album.

Sieben Sprachen spricht Sabina Sciubba, fünf davon setzt die bildhübsche Sängerin auf dem neuen Album der Brazilian Girls ein. „Das Italienische ist eine lyrische Sprache, die zu Romantik und Pathos neigt. Deutsch ist sehr subtil und genau, für jedes Ding gibt es ein Wort. Englisch ist wegen seiner Einsilbigkeit ideal für Popmusik, während Französisch eben sehr sinnlich klingt“, beschreibt die Sängerin der Brazilian Girls die Vorzüge der einzelnen Sprachen, mit denen sie richtiggehend spielt. Häufig wechselt die Deutsch-Italienerin das Vokabular auch innerhalb eines Songs und verändert so seinen Charakter.

Nach dem ersten Longplayer, „Brazilian Girls„, der sich zwischen Electro und Tango bewegte, ist der Nachfolger „Talk To La Bomb“ stilistisch wesentlich breiter ausgefallen. Fließende, chansonartige Lieder wechseln sich mit ruppig düsteren Electro-Rockern ab; dabei durchziehen wippende Grooves die Nummern. Der Hang zu Tanznummern scheint den Brazilian Grils in die Wiege gelegt; schließlich war das Quartett ein Jahr lang Hausband des New Yorker Nublu Clubs. „Wir trafen uns jeden Sonntag nachts um eins im Nublu und machten nur das, auf was wir Bock hatten“, berichtet die Sängerin. Und sie betont: „Bei uns wird alles geteilt, das gilt für Geld und den kompositorischen Einfluss gleichermaßen.“ Die Shows in dem Bohemien-Club an der Avenue C zogen nicht nur immer mehr Publikum an, auch die A&Rs der Plattenfirmen gaben sich die Klinke in die Hand. „Nach nur sechs Monaten hatten wir einen Vertrag“, sagt Sabina Sciubba. 2005 brachte das Quartett die EP „Lazy Lover“ heraus, ein Jahr später folgte ihr Debütalbum. Der aktuelle Nachfolger enthält neben dynamischem Pop auch einige düstere Titel, die an Velvet Underground erinnern. Passenderweise verfügt Sabina Sciubba über eine rauchige Stimme, die dem Hörer eine andere deutsche Sängerin ins Gedächtnis ruft: „Nicos Lieder habe ich erst vor einem Jahr entdeckt, muss ich zugeben. Der Regisseur Emir Kusturica, den wir in Buenos Aires trafen, hat uns mit Velvet Underground verglichen, was mir sehr geschmeichelt hat.“

Warum ihre Band nun auch härtere Töne anschlägt, erklärt die Sängerin so: „Unser erstes Album war sehr lounge-orientiert und kühl. Für die Festivals brauchen wir aber durchschlagende Titel, die Schockwellen auslösen.“ Ein weiteres Kennzeichen der Brazilian Girls – von denen übrigens kein Mitglied aus Brasilien stammt und drei männlich sind – ist ihre Reiselust. „Ich bin im Herzen Zigeunerin“, sagt Sabina über sich. „In den letzten zwei Monaten haben wir 40 Konzerte in zehn Ländern gespielt. Unsere Musik ist international, wir finden überall unser Publikum.“