Die vorläufige Halbjahresbilanz der EMI Group war ohnehin nicht berauschend, nun muss der britische Major die Zahlen auch noch nach unten korrigieren. Die Zentralbuchhaltung in London ist der Niederlassung in Brasilien beim Versuch des Bilanzbetrugs auf die Schliche gekommen. Weil führende Mitarbeiter von EMI Music Brazil massive Unregelmäßigkeiten in den Abrechnungen verursachten, hatte EMI seine vorläufigen Halbjahreszahlen Mitte Oktober fehlerhaft veröffentlicht.
Durch den Betrugsfall wies EMI vermutlich zwölf Millionen Pfund zu viel Umsatz und schätzungsweise neun Millionen Pfund zu viel operativen Gewinn aus. Wenn die offizielle Bilanz für die ersten sechs Monate am 15. November präsentiert wird, will EMI die südamerikanischen Verfehlungen korrigiert haben. Gegen die mutmaßlichen Betrüger laufen Ermittlungen, einige leitende Mitarbeiter wurden bereits beurlaubt. Welchen Anteil seines Umsatzes EMI in Brasilien erwirtschaftet, ist nicht bekannt, doch laut IFPI ist der dortige Tonträgermarkt der zehntgrößte der Welt mit einem einprozentigen Anteil an den global verkauften Einheiten.
In der vergangenen Woche hatte EMI angekündigt, dass die Umsätze in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres um etwa drei, die Gewinne um 34 Prozent schrumpfen werden. Der Betrug in Brasilien belastete nun schon vor der Bekanntgabe der endgültigen Zahlen den Aktienkurs. Im Laufe des 25. Oktober gab das EMI-Papier um über zehn Prozent nach und beendete den Handelstag mit einem Minus von fast 4,3 Prozent (zwölf Pence) und einem Schlusskurs von 268,75 Pence.


