So radikal, wie es der Titel ihrer neuen Platte suggeriert, benehmen sich die beiden indes nicht. Mit „Radical Connector“ ist ihnen eines der eingängigsten Alben ihrer Karriere gelungen. Zwar ist es noch immer meilenweit entfernt von gängiger Popware, aber konzeptionell zugänglich wie noch nie.
Nach der Übernahme von Zomba durch BMG löste das Duo seinen Vertrag mit der Firma und veröffentliche sein neues Album auf dem eigenen Label Sonig. Nur der alten Vertriebsmannschaft sind Toma und Werner treu geblieben.
„Nach der Übernahme war die Situation für uns zunächst sehr schwierig“, erklärt Andi Toma. „Unsere Ansprechpartner waren plötzlich nicht mehr da. Wir haben den Vertrag dann so schnell wie möglich gelöst und uns dafür entschieden, das neue Album auf Sonig selbst herauszubringen.“
Mehr Arbeit – aber auch mehr Spass
Wenn es um Promotion und Vertrieb geht, arbeiten sie aber noch mit vielen Leuten zusammen, die sie schon seit Jahren begleiten. Die neue Situation wirkte sich nicht unbedingt negativ auf die Entwicklung des Duos aus, sagt Toma. „Wir können jetzt viel schneller arbeiten. Das Album ist eigentlich schon seit acht Monaten fertig.“
In den USA vertreibt das Label Thrill Jockey die Platte, in Japan Victor/JVC. „Der Arbeitsaufwand ist für uns zwar gestiegen, aber dafür macht es viel Spaß“, so Toma. Am wichtigsten ist den beiden ihre Unabhängigkeit. Auch das eigene Studio spielt da eine Rolle. „Es ist gut, wenn man alles in eigenen Händen hat. Die Entscheidungswege verkürzen sich extrem. Das kostete uns früher oft sehr viel Nerven.“
Weil die beiden jetzt autark arbeiten, wird sich automatisch der Rhythmus der Veröffentlichungen verändern. „In Zukunft werden wir neue Produktionen viel schneller über das Internet anbieten können“, sagt Toma.
Das namenlose Album
„Radical Connector“ stellt für Mouse on Mars in dieser Hinsicht einen Wendepunkt dar. „Ich finde das ausgesprochen gut“, meint Toma. „Man muss nicht mehr warten, bis ein Album fertig ist, sondern kann auch schon einen Block mit vier Stücken veröffentlichen. Das kommt sicher auch dem Hörer entgegen.“
Gleichzeitig mit „Radical Connector“ stellten die beiden Mars-Mäuse denn auch ein weiteres Album mit Stücken fertig, die ästhetisch nicht zu den anderen Tracks passten. In welcher Form das noch namenlose Werk erscheinen wird, ist noch nicht geklärt. Aber dafür gibt es ja schon „Radical Connector“.
Toma sagt: „Wir waren selber überrascht, wie geradlinig die Stücke auf dem Album ausgefallen sind.“ Mitgeholfen hat neben Schlagzeuger Dodo Nkisni diesmal auch Sängerin Niobe.
„Auf weitere Gastmusiker verzichteten wir. Bisher waren uns Sounds eigentlich immer wichtiger als Strukturen. Diesmal arbeiteten wir ganz bewusst mit Songstrukturen. Das interessierte uns besonders. Also haben wir den Arbeitsprozess einfach umgekehrt. Die Herausforderung bestand vor allem darin, die Stücke mehr zusammenzuhalten. Wir haben uns bei diesem Album wechselseitig als Produzenten versucht.“


