Musik

Bonner Kunst- und Ausstellungshalle: Konzerte ohne Kulturbürokratismus

Mit dem Bund als Hauptgesellschafter nimmt die Bonner Kunst- und Ausstellungshalle eine Sonderrolle in der deutschen Konzertveranstalterszene ein. Die resultierenden Vorteile nutzen etwa Iggy Pop oder die Doors, die dieses Jahr in Bonn ihre einzigen Deutschland-Konzerte geben.

“Bei uns läuft vieles etwas sauberer ab als sonst in der Branche üblich – das haben die Künstler vor allem bei der Abwicklung der Gagenzahlungen zu schätzen gelernt“, sagt Wilfried Gatzweiler, Kaufmännischer Geschäftsführer der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (KAH), im Gespräch mit musikwoche. Der Grund liege in der speziellen Struktur der Open-Air-Location: Hauptgesellschafter ist der Staat, und auch die 16 Bundesländer sind hier vertreten. Als die KAH jedoch vor zwölf Jahren mit den ersten Konzertveranstaltungen anfing, wählten die Betreiber ganz bewusst die Form der GmbH. Anders als staatliche Einrichtungen wollten sie ganz gezielt auf Wirtschaftlichkeit ohne Subventionen hinarbeiten. „Wir wollten uns ganz bewusst aus dem Kulturbürokratismus heraushalten und uns am Markt orientieren.“ Das sei gelungen, bilanziert Gatzweiler.

Mit den Überschüssen aus dem Sektor Live Entertainment finanziert die KAH inzwischen andere kulturelle Aktivitäten und übernimmt das Sponsoring beim Headliner des Bonner Rheinkultur-Festivals. Der staatliche Charakter hätte anfangs jedoch auch für Verwirrung gesorgt, so der KAH-Chef. „Uns wurde immer wieder gesagt:,Wer seid Ihr denn überhaupt?‘ Aber durch unsere Arbeit haben wir uns im Laufe der Jahre einen guten Ruf erworben. So betütteln wir unsere Künstler nach allen Regeln der Kunst.“ Das habe sich inzwischen bis zu den großen britischen Agenten herumgesprochen, mit denen das vierköpfige Team um Gatzweiler mittlerweile direkte Verbindungen hält. Auch die Bereiche Organisation, Marketing und Technik betreut die KAH eigenständig.

In dieser Saison treten bei den 50 Konzerten, von denen nur zehn von örtlichen Veranstaltern organisiert werden, u.a. Juliette Greco, Pur, Bryan Adams, Alanis Morissette, Seal, Van Morisson, Bap, Udo Lindenberg, Joan Baez, Wir sind Helden, Lionel Richie, Whitesnake und Pink auf. „Die Mischung muss stimmen“, erläutert Gatzweiler das Spektrum. „Und auch wenn es arrogant klingen mag, aber inzwischen können wir uns aussuchen, wen wir nehmen. Besonders stolz bin ich in diesem Jahr etwa auf Bob Dylan und Brian Wilson.“

Zum positiven Image des Veranstaltungsort gehören auch die guten Sichtmöglichkeiten. Keiner der maximal 7800 Zuschauer steht weiter als 40 Meter von der größtenteils überdachten Bühne entfernt. „Sehr wichtig ist auch die Technik. Per Vertrag ist geregelt, dass die Bands ausschließlich über unsere festinstallierte Anlage spielen, die zu den modernsten in ganz Europa zählt.“ Mit einer möglichen neuen Halle plant Gatzweiler bereits die ganzjährige Verlängerung der Konzerte, mit denen die KAH übrigens auch ihrem pädagogischen Auftrag nachkommen wird: Alle Konzerttickets gelten als Eintrittskarten für die regulären Ausstellungen. Dieses Angebot nutzt ein Drittel aller Zuschauer. „So kommen andere Bevölkerungsschichten in unsere Ausstellungen“, so Gatzweiler.