War schon das letzte Album, „Testament der Angst“ (2001), zugänglicher als die bisherigen Werke, so gelingt Blumfeld mit „Jenseits von Jedem“ die nahezu perfekte Mischung aus tiefschürfenden Texten und famosen Melodien. Auch diesmal arbeitete das Trio wieder eng mit Produzent Chris von Rautenkranz zusammen. „Wir hatten uns im Vorfeld schon überlegt, ob wir nicht einen anderen Ansatz verfolgen sollten“, berichtet Jochen Distelmeyer. „Als wir dann aber die meisten Stücke geschrieben hatten, war uns schnell klar, dass wir auch diesmal mit Chris aufnehmen wollten.“ Auch reagieren Blumfeld inzwischen viel entspannter bei kreativen Fragen wie der Gestaltung der Coverrückseite, die Band, Produzent und Freunde beim Picknick in einem Park zeigt. „Was wir unbedingt vermeiden wollten, war eine Situation wie bei einem Fotoshooting. Es sollte das genaue Gegenteil sein. Eine völlig natürliche Sache.“ Trotz aller Entspanntheit haben Blumfeld aber nichts von ihrer intellektuellen Schärfe eingebüsst, die die Band seit dem Debütalbum „Ich-Maschine“ auszeichnet. Bereits bei der ersten Single, „Wir sind frei„, beschäftigt sich das Trio gewohnt unkonventionell mit der Frage, wie groß die individuelle Freiheit des Einzelnen noch sein kann. Musikalisch bewegen sich Blumfeld auf „Jenseits von Jedem“ in einem genau definierten Umfeld. „Die Veränderungen, die sich im Bandkontext vollziehen, lassen sich meist nur an Details festmachen“, erklärt Jochen Distelmeyer. „Die neuen Dinge fließen bei uns nach und nach mit ein. Das ist einfortschreitender Prozess, der auch für uns immer wieder Überraschungen bereithält.“
Trotzdem zeichnet sich „Jenseits von Jedem“ durch ein unverwechselbares Gespür für Sprache aus. Jochen Distelmeyer ist nach wir vor einer der größten Stilisten der deutschen Popmusik, auch wenn sich Blumfeld musikalisch inzwischen so weit geöffnet haben, dass ihre Songs problemlos im Radio laufen können.



