Was gab es im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung von „Wir sind Helden“ bei Labels Germany nicht alles an Gerüchten. Vom teuersten Signing einer deutschsprachigen Formation seit Jahren war da zu hören. Alles Dinge, die die Gruppe, bestehend aus Sängerin und Gitarristin Judith Holofernes, Schlagzeuger Pola Roy, Bassist Mark Tavassol und Keyboarder/Gitarrist Jean-Michel Tourette, komplett kalt lassen.
Warum auch nicht, hat doch die Band bereits auf dem Label Supermodern in Eigenregie ihre 5-Track-Debüt-EP „Guten Tag“ veröffentlicht. Die Resonanz auf ihre Auftritte war damals zwar auch schon sehr gut, aber eine Firma, die zu den Konditionen der Band bereit war, ein Album zu produzieren, fand sich zunächst nicht. „Wir waren in der glücklichen Lage, uns einen Deal aussuchen zu können, da wir ja bereits ohne Plattenfirma im Rücken sehr viel erreicht hatten. Wir haben nur um eines gepokert: um unsere Freiheit“
Keine Angst vorm überrollt werden
Angst, von den sich überschlagenden Ereignissen – von der ersten eigenen CD über einen Plattenvertrag bis hin zum Auftritt in der „Harald Schmidt Show“ in knapp sechs Monaten – überrollt zu werden, hat sie nicht.
„Natürlich sind unsere Haare vom ungewöhnlich starken Fahrtwind noch zurückgeföhnt. Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass wir manchmal wirklich nicht wissen, wie uns geschieht, weil es fast zu schnell ging. Anderseits sind wir unter dem Namen Wir sind Helden schon seit zweieinhalb Jahren aktiv. Schwierig wird es erst, wenn du überraschend einen Hit landest und dann schauen musst, wo die restlichen Lieder herkommen sollen.“
Am wichtigsten: die eigene Meinung
Mit diesem Problem hatte das Quartett jedoch nicht zu kämpfen. „Uns hat nur Geldmangel daran gehindert, statt fünf Songs gleich ein ganzes Album aufzunehmen.“ Musikalisch wandelt die Band auf eigenen Pfaden, auch wenn eine gewisse Faszination für Sounds und Attitüden der frühen 80er-Jahre durchscheint. Das wollen die vier aber nur als ferne Inspirationsquelle gelten lassen.
Die meisten Texte, in denen es oft um das Lebensgefühl von jungen Erwachsenen zwischen 25 und 30 Jahren geht, stammen von Judith Holofernes. Mit Zeilen wie „Es war im Ausverkauf, im Angebot, die Sonderaktion/Tausche blödes altes Leben gegen neue Version“ bewegt sich die Band auf der Die Reklamation bewusst zwischen Auflehnung und Resignation. „Das Wichtigste für uns ist, unsere Meinung so artikulieren zu können, wie wir wollen. Der Rest wird sich finden.“


