Bei Arthaus Musik steht neben einer geringen Anzahl von Jazztiteln ganz das Thema klassische Musik im Vordergrund. Für Projekt Manager Patrick Buttmann ist die DVD im Bereich der visuellen Genres Oper und Ballett das ideale Medium. „Warum muss ich eine Oper nur anhören, wenn ich sie auch auf DVD sehen kann? Des weiteren bekommt man mehr in besserer Qualität für meist weniger Geld.“ Arthaus sieht daher auch noch ein erhebliches Steigerungspotenzial für Klassik-DVDs, auch „wenn die Zahlen gerade im Vergleich mit den CD-Absätzen in diesem Sektor sehr gut sind“, so Buttmann. Man müsse jedoch bei Klassik-DVDs beachten, dass sie eine andere Zielgruppe als bei DVD-Video anspreche. „Unsere Produkte richten sich an den – zumeist in technischer Hinsicht – konservativen Klassikliebhaber, der bereits viele Opern auf CD hat.
Opernshops sind idealer Absatzkanal
Die Erfahrung zeigt, dass viele Konsumenten dieses Medium noch gar nicht richtig kennen. Sobald sie Oper auf DVD jedoch zum ersten Mal erlebt haben, wollen sie dieses Erlebnis nicht mehr missen.“ Klassik-DVDs seien am besten im sortierten Fachhandel platziert. Jedoch sieht Buttmann gerade auch bei den Shops von Opernhäusern ein großes Potenzial. Zudem korrespondiere das mit der Platzierung im Handel: „Man muss bei Klassik realistisch sein, und unter diesen Umständen sind wir im Großen und Ganzen zufrieden.“ Unter den vielen Veröffentlichungen bei Arthaus stehen als besondere Highlights demnächst Mozarts „Don Giovanni“ mit Cecilia Bartoli und die im Juni erscheinende DVD „Tosca“ von Puccini mit Roberto Alegna und Angela Georghiu an. Auch bei TDK mediactive nimmt das Klassik-DVD-Segment eine wichtige Rolle ein. „Unser Schwerpunkt liegt bei der Veröffentlichung von klassischer Musik auf DVD. Dazu zählen allgemein Konzerte, Sinfonien, Oratorien und ähnliches; Aufnahmen mit namhaften Orchestern, Dirigenten und Solisten. In diesem Bereich haben wir es zur Marktführerschaft gebracht. Wir sind seit Ende 1999 mit ersten Konzerten auf dem Markt und haben im Opernfach im November 2001 unsere erste DVD herausgebracht“, erläutert Gerhard Liefländer, zuständig für die DVD-Programme bei TDK mediactive.
Derzeit erscheinen etwa sechs Titel im Monat aus den Bereichen Klassik, Oper und Jazz. Die DVD ist für Liefländer ein prädestiniertes Format für die Veröffentlichung von klassischer Musik, doch auch für Musicals, Operetten oder Opern, also für Bühnenwerke. Neben hoher Ton- und Bildqualität biete sie unter anderem die Möglichkeit, verschiedene Kameraführungen, Interviews oder Hintergrundberichte einzubauen. Selbst wenn der an Klassik interessierte Konsument nicht unbedingt der wesentlich jüngeren Zielgruppe bei DVD entspreche, habe die digitale Disc auch dem Klassikbereich im Vergleich zu VHS einen deutlichen Schub gegeben. „Das gesamte Angebot ist wesentlich größer. Auch wenn sich alles noch in kleinen Stückzahlen abspielt, hat dieser Bereich durch DVD sicherlich profitiert“, so Liefländer. Allerdings sei die Präsentation im Handel noch erheblich verbesserungswürdig: „Idealerweise sollte die DVD bei den Klassik-CDs im Tonträgerhandel platziert sein. Darüber hinaus ist ein kompetenter Verkäufer dringend notwendig, der dem Kunden beratend zur Seite steht“, fasst Liefländer zusammen. Bei Warner Vision stehen zur Zeit im Klassikbereich 32 DVD-Veröffentlichungen 119 Titeln auf VHS entgegen, wobei erfolgreiche DVDs wie der Londoner Mitschnitt des Musicals „Les Misérables“ mehr verkaufen als die besten VHS-Titel.
Jüngere Zielgruppe für Klassik gewinnen
„Mit der Zeit und der entsprechenden Unterstützung der Handelspartner wird auch die Klassik-DVD ihren Platz im Markt finden“, prophezeit Uta Niedenzu, Marketing Director Warner Vision Germany. „Es klafft jedoch eine Lücke zwischen den Klassikhörern, die sich um die 40 plus bewegen, und den DVD-Usern, die eher Ende 20 bis Ende 30 Jahre alt sind.“ Deswegen stehen Klassik-DVDs bei Warner Vision nicht im Mittelpunkt. „Unser Schwerpunkt liegt bei den Rock/ Pop-Produktionen. Die Stückzahlen bei Klassiktiteln sind derzeit noch nicht so hoch wie bei unseren Topsellern in anderen Genres.“
Langwährendes Medium gewünscht
Gleichwohl baue Warner Vision Germany den Klassik-Bereich kontinuierlich auf, denn die DVD biete mit ihren hochwertigen Sound- und Bildstandards gerade für Klassikhörer ein ideales Medium. Allerdings sei diese Gruppe „verunsichert, weil sie nach den Erfahrungen mit Laser-Discs nun etwas Langwährendes haben will“, weiß Niedenzu. Ein Highlight von Warner Vision ist die BBC-Dokumentation „Great Composers“. „Volume 2“ beschäftigt sich zwei Stunden lang mit Ludwig van Beethoven und Richard Wagner. Teil drei wird sich Mahler, Tschaikowsky und Puccini widmen.



