Weder handelt es sich bei den Barenaked Ladies um Frauen, noch sind sie unbekleidet; es sind vielmehr Herren in den Enddreißigern, die eher an Holzfäller oder Einpackboys in Supermärkten erinnern als an Popstars. Zumindest auf Grund ihres Aussehens hätte es die Band wohl nie auf die Titelblätter geschafft. Dass die Musiker vor allem in den USA und Kanada dennoch „richtige Stars“ sind, verdanken sie ihrer Musik. Begonnen hat alles vor etwa 15 Jahren, als die beiden Schulfreunde Ed Robertson und Steven Page nach dem Besuch eines Bob-Dylan-Konzerts beschlossen, ihrem tristen Vorstadtleben in einem Vorort Torontos einen Kick zu geben und eine Band gründeten. Es ging nur langsam vorwärts. Erst mit der vorwitzigen Single „Be My Yoko Ono“ errang die Formation 1992 erste Popularität. Das Album „Stunt“ markierte 1998 den Durchbruch in den USA. Es stieg bis auf Platz drei der US-Charts, der von Don Was produzierte Nachfolger „Maroon“ gelangte ebenfalls unter die Top 5. Der Starstatus ist der Band allerdings eher unangenehm. „In Kanada berühmt zu sein, ist wie die Generalprobe dafür, in den USA berühmt zu sein“, meint Ed Robertson. „Man muss sich mit denselben Dingen herumschlagen, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau.“ Insofern ist es wohl kein Wunder, dass das neue Album mit dem Song „Celebrity“ beginnt, der ebenso doppelbödig wie ironisch die Kehrseiten von Ruhm und Erfolg seziert. „Nenn‘ mich keine Null, denn bald werde ich eine Berühmtheit sein“, heißt es dort. Der Titel endet in der ernüchternden Erkenntnis, dass außer dem Umstand, berühmt zu sein, oft nichts anderes bleibt. Das was bei anderen Bands in wehleidiges Selbstmitleid münden könnte, gerät den Barenaked Ladies zu einem munteren Popsong. Ihre unbestrittene Stärke sind ebensolche Stücke zwischen Rock und Pop, die oft über einen Refrain zum Mitsingen verfügen, sich aber immer als feinsinnige Betrachtungen über den Alltag und allzu menschliche Schwächen entpuppen.
Barenaked Ladies: Meister der ironischen Zwischentöne
Die kanadische Band liefert seit Anfang der 90er-Jahre ein überzeugendes Album nach dem anderen ab. Auf „Everything For Everyone“ (Reprise/ wea/Warner) begeistern die Barenaked Ladies erneut mit ironischen Pop-Songs.



