Musik

Barbara Cuesta – Drastische Worte mit sanften Melodien

Auf ihrem Debütalbum fasziniert die 27-jährige Sängerin und Songwriterin mit Wohnsitz in Berlin mit elf ebenso zerbrechlichen wie offenherzigen Songs. In diesen eigenwilligen Kurzgeschichten beschränkt sich Barbara Cuesta nicht darauf, lediglich die romantischen Seiten des Lebens zu beschreiben.

An drastischen Worten herrscht in ihren Texten meist kein Mangel. Und doch hat Barbara Cuesta kein Interesse an vordergründigen Provokationen. Die Songs auf ihrem Debütalbum mit dem schlichten Titel „Barbara Cuesta“ sind bewusst einfach instrumentiert und arrangiert, um nicht vom Wesentlichen abzulenken: ihrer wunderbaren Stimme, die unter die Haut geht. Der Musik verfiel sie bereits mit 14 Jahren. Sie spielte sechs Jahre lang klassische Gitarre und schrieb bereits als Teenager eigene Songs. Mit 21 tingelte sie mit einem Soloprogramm, das nur aus eigenen Stücken bestand, durch die Kulturcafes in NRW. Anfang 2004 verlegte sie dann ihren Wohnsitz nach Berlin.

Ein groß angelegtes Plattenprojekt scheiterte schon nach wenigen Wochen an unterschiedlichen Auffassungen – für Barbara Cuesta allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Von da an nahm sie die Produktion ihrer Songs einfach in die eigenen Hände – und das war die einzig richtige Entscheidung, denn ohne alles überflüssige Brimborium entfalten ihre Stücke die größte Wirkung. „Bei der Auswahl der Songs bin ich vor allem danach gegangen, was sich für mich richtig und gut anfühlt,“ erklärt sie. „Die Auswahl ist sehr organisch entstanden, ohne große konzeptionelle Überlegungen. Ich habe einen kleinen Kreis von Leuten, denen ich meine Songs regelmäßig vorspiele und die dann mit mir entscheiden müssen, ob sie etwas taugen.“

Die entwaffnende Offenheit ihrer Texte, die bei manch sensiblem Zeitgenossen durchaus auf Missfallen stoßen könnte, ist für Barbara Cuesta nichts Besonderes: „Über die Wirkung meiner Texte auf andere Menschen habe ich mir bis jetzt noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich dachte eigentlich, dass das gar kein Thema mehr ist. Meine Texte sind gar nicht provokativ gemeint. Es ist eine relativ alte Singer/ Songwriter-Tradition, so zu schreiben, wie man spricht und wie man lebt. Das ist für mich eine Frage der Authenzität.“

Kein Wunder, dass sie als Inspirationsquellen Künstlerinnen wie PJ Harvey, Björk und Tori Amos nennt. „Ich mag vor allem Songwriter, die mit viel Seele schreiben. Man darf halt einfach vor Gefühlen keine Angst haben.“ Wie souverän sie mit ihren eigenen Gefühlen im künstlerischen Kontext umgeht, zeigen nicht zuletzt Lieder wie „Nietzsche hört zu“ oder „Halbschlafmonster“. Viel schwerer fiel es ihr allerdings, die musikalische Richtung zu bestimmen: „Es gab nie eine richtige Linie – bis zu dem Zeitpunkt, als ich bei einer anderen Plattenfirma für Demos mit einem Produzenten zusammenarbeitete, der meine Songs opulent und poppig arrangierte. Die Texte verloren dadurch ihre ganze Kraft. Von da an wusste ich genau, wie meine Songs klingen müssen, damit sie funktionieren.“ Außer ihrer Stimme und ihrer Gitarre hat nicht viel diesen Ausleseprozess überlebt – denn: „Man muss sehr genau überlegen, was das Lied unbedingt braucht.“