Es wäre einfach zu schade gewesen, hätte jemand wie Jason Rowe mit seinen Talenten einfach die Flinte ins Korn geworfen. Doch so leicht lässt sich der Musiker, der inzwischen nach Berlin übersiedelt ist, nicht unterkriegen. Es dauerte zwar eine ganze Weile, bis seinen Frust nach dem ersten Album überwunden hatte, doch heute weiß er ganz genau: „Mir ging es immer darum, meine künstlerische Integrität zu bewahren.“
Um das zu gewährleisten, war die Auszeit, die er sich nahm, unbedingt notwendig. „Ich bin durch ganz Europa gereist und habe in vielen kleinen Bars gespielt. Das hat mir wieder klargemacht, was wirklich wichtig ist.“
Von England über Amerika nach Berlin
Für Berlin als Standort, von wo aus er seine zweite Musikkarriere in Angriff nahm, sprachen vor allem zwei Argumente: „Es ist sehr billig, hier zu leben, und es gibt für mich als Songwriter sehr viel Arbeit. Außerdem mag ich die Stadt. Sie hat ein besonderes Flair.“ Dank seiner Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier ergab sich der Kontakt zu Four Music, wo sein neues Album erscheint.
Aufgenommen hat Rowe „Lovelife“ trotzdem größtenteils in Los Angeles mit Unterstützung vieler befreundeter Musiker wie Louis Goffin, Dominic Miller, Greg Wells und Jim Huff. „Ich kannte die meisten noch aus meiner Zeit in Los Angeles und wollte mit ihnen unbedingt wieder zusammenarbeiten. Als ich den Vertrag mit Four Music in der Tasche hatte, rief ich sie sofort an, und wir haben losgelegt.“
Positive und negative Seiten des Lebens
Wie inspirierend das Zusammentreffen mit seinen alten Weggefährten ausfiel, kann man bei den zwölf Songs von „Lovelife“ hören. Jason Rowe erzählt in Stücken wie „Lookout (Mountain)“ oder „The Best Thing I Ever Lost“ viel über persönliche Schicksalsschläge und unglückliche Liebesbeziehungen, doch auch die positiven Seiten des Lebens kommen nicht zu kurz.
Einen Teil der Songs hat er in Berlin geschrieben; viele Stücke stammen aber aus der Zeit, als er keinen Plattenvertrag hatte und relativ ziellos durch kleine Clubs tingelte. Und genau diese Stücke sind ihm, sicher auch wegen ihrer autobiografischen Note, besonders ans Herz gewachsen. „Ich musste erst einmal all diese Songs loswerden, bevor ich wieder daran denken konnte, neues Material zu schreiben.“
Musik im Blut
Jason Rowe ist kein ausgebildeter Musiker, sondern ein Autodidakt. Umso erstaunlicher ist es, dass es der in der Nähe von Bristol geborene Engländer schafft, Songs zu kreieren, die dermaßen perfekt und mit einem außergewöhnlichen Melodiereichtum gesegnet sind. Für ihn alles kein Problem: „Ich kann praktisch mit jedem Instrument, das ich beherrsche, einen Song schreiben. Oft ist es ein Schlagzeugbeat, der mich inspiriert, manchmal eine Klaviermelodie.“
Wichtig fand Jason Rowe den ständigen Gedankenaustausch mit seinen Koautoren: „Ich liebe die Arbeit mit anderen Songwritern. Man lernt sehr schnell sehr viel. Ich wollte auf keinen Fall ein Album aufnehmen, das nur vier gute Songs enthält, während die anderen sieben eher Durchschnitt sind. Die Kritik der anderen zwingt dich dazu, deine eigenen Positionen ständig neu zu überdenken.“


