Gekonnt pendelt Max Herre auf seinem Solodebüt zwischen allen Stilschubladen, und für jemanden, der in den letzten Jahren oft mit reichlich unpassenden Vergleichen leben musste, erscheint das fast als eine Selbstverständlichkeit.
Auf einen bestimmten Stil oder Sound festlegen lässt sich der Musiker und Songwriter Herre sowieso nicht – heute noch weniger als zu den Zeiten, als er als Anführer des Stuttgarter Freundeskreises die deutsche HipHop-Szene maßgeblich mitprägte.
Inzwischen hat sich Max Herre von allen Fesseln befreit. Auf seinem Solodebüt schlägt er einen weiten Bogen und verarbeitet unterschiedlichste Einflüsse, von Reggae und Elektronik über Pop und HipHop bis hin zu Funk, Soul, Jazz und Blues. „Für mich ist eindeutig eine Entwicklungslinie zu erkennen“, erklärt Herre, „vom Freundeskreis über meine Arbeit mit Joy Denalane bis hin zu meinem ersten Soloalbum.“
Das Prinzip Grenzüberschreitung
Tatsächlich ist es ihm auf jeder der angesprochenen Station gelungen, sich noch weiter von allen Vorgaben und bekannten Mustern zu entfernen. „Damit stehe ich sicherlich nicht alleine. Als Musiker wächst man in der Regel an den Aufgaben, die man sich selbst stellt oder mit denen man konfrontiert wird.“
Ohne die reichhaltigen Erfahrungen der vergangenen Jahre würde das Album definitiv anders klingen. „Mir war es wichtig zu zeigen, wie vielfältig ich sein kann. Bereits mit Freundeskreis haben wir ja Grenzen überwunden. Auf meinem ersten Soloalbum gehe ich jetzt noch einen Schritt weiter.“
Berlin belebt
Mit blinder Innovationswut hat das aber nichts zu tun. „Auf diesem Album lade ich jeden ein, meine Welt, mein Referenzsystem kennen zu lernen, ohne mich dabei konzeptionell zu beschneiden.“ Die künstlerische Freiheit, die jeder Song ausstrahlt, ist in der Tat beachtlich.
Mitgeholfen haben unter anderem Joy Denalane, die Produzenten Carsten Schedler, Sholar und Wajeed (Slum Village) sowie die Musiker Tommy W, Frank Kuruc und Don Philippe. Auch der Umzug hinterließ seine Spuren – Max Herre hat seinen Wohnsitz vor zwei Jahren in die Hauptstadt verlegt. „Es ergaben sich zwangsläufig andere, neue Konstellationen bei der Produktion, die sich natürlich auch im Sound niederschlagen.“
Der King vom Prenzlauer Berg
Produziert wurde die Platte an verschiedenen Orten: Neben Berlin entstanden einige Songs auch in Hamburg, Stuttgart und den USA. „Deshalb war der Einfluss, den die Stadt Berlin auf meine Musik ausübte, gar nicht so groß. Die Auswahl der Produzenten erfolgte vor allem nach einem Gesichtspunkt: Zu wem habe ich einen Draht, mit wem kann ich meine Ideen umsetzten?“
Am Ende hatte er so viele Stücke eingespielt, dass gar nicht alle auf das Album passten. Einer der Höhepunkte des Albums ist auf jeden Fall „King vom Prenzlauer Berg“, bei dem sich Herre hörbar von Bands wie City beeinflussen ließ. „Ich habe sehr viele Platten des Amiga-Labels auf Flohmärkten gekauft und nach und nach festgestellt, dass es da einiges zu entdecken gibt.“
Herre konnte sogar City-Sänger Toni Krahl überzeugen, auf „King vom Prenzlauer Berg“ mitzuwirken. „Ich war musikalisch von vielen Amiga-Platten aus den 70er-Jahren beeindruckt. Auch weil es Berührungspunkte mit meiner Arbeit gibt.“


