Hauptverantwortlich dafür ist neben Róisín Murphy mit Matthew Herbert einer der eigenwilligsten Produzenten Englands, der in den letzten Jahren mit seiner unkonventionellen Arbeit Fans und Kritiker immer wieder aufs Neue begeistern konnte. Außer beim Album seiner Frau Dani Siciliano hat sich Herbert bisher immer geweigert, für andere Künstler als Produzent zu arbeiten.
Bei Róisín Murphy machte er diesmal aber aus einem guten Grund eine Ausnahme: „Ich arbeite bereits seit 1996 mit der Band zusammen“, so der Produzent, „und habe viele Remixe angefertigt. Die Stimme von Róisín ist mir bestens vertraut, und ich bin immer wieder begeistert, wie gut sie im Kontext mit meinen Sounds funktioniert. Auf ihrem Soloalbum ist es mir gelungen, ihr außergewöhnliches musikalisches Charisma mit Klängen zu kombinieren, die man nicht so oft im Radio zu hören bekommt.“
Auch für Róisín Murphy scheint sich die gemeinsame Arbeit an den zwölf Songs gelohnt zu haben: „Matthew ist ein ungewöhnlicher Produzent, der ganz anders denkt und handelt als die meisten Menschen, die ich bisher in der Musikbranche getroffen habe.“
Intime Herausforderung
Mit dem Sound von Moloko hat „Ruby Blue“ nicht mehr das Geringste zu tun. Die Sängerin kommentiert: „Wenn ich ein Album aufnehme, dann folge ich dabei keinen bestimmten Regeln. Hauptsache ist, die Songs gefallen mir.“ So kreierten Róisín Murphy und Matthew Herbert eine extrem intime Platte, die den Hörer auf vielfältige Weise herausfordert, weil pumpende Dancebeats oder eingängige Melodien keinerlei Rolle spielen.
„Als ich Matthew fragte, ob er mit mir einen Song schreiben wolle, hatte ich noch keine Pläne für ein Soloalbum. Den Gedanken, mit ihm zusammen etwas zu machen, hatte ich eine ganze Weile verfolgt. Wir spielten dann in kurzer Zeit Track auf Track ein und informierten die Plattenfirma erst, als das Album komplett im Kasten war.“
Detailreichtum im Hintergrund
Anders als bei Moloko war die Arbeit an „Ruby Blue“ für Róisín Murphy in mancherlei Hinsicht eine neue Erfahrung. Denn Matthew Herbert ist bekannt dafür, dass er mit allen möglichen Gegenständen Klänge erzeugt. „Es war sehr interessant, auf diese Weise zu arbeiten und das Ganze dann mit richtigen Bläsern zu kombinieren“, erklärt die Musikerin.
„Ein Song wie ‚Night Of The Dancing Flame‘ ist für diese Arbeitsweise exemplarisch.“ Doch dieses Stück ist nur ein außergewöhnlicher Song unter vielen. „Ruby Blue“ ist ein Album, das Zeit benötigt, damit der Hörer die oft im Hintergrund versteckten Details auch richtig würdigen kann.
Energetischer Eigensinn
Mit ihrer Rolle als Sängerin von Moloko hat Róisín Murphy nach diesem Album absolut kein Problem. „Ich bin kein Snob, wenn es um Dance- oder Popmusik geht. Es gibt überall gute und schlechte Musik. Die meisten Menschen, die mit meinem Soloalbum etwas anfangen können, wissen sehr genau, woher ich komme.“
Mit „Ruby Blue“ hat Róisín Murphy ein experimentelles Popalbum geschaffen, auf dem sie mit viel Energie neue Wege geht: „Ich habe noch nie bei einer Plattenfirma die Aufnahme abgeliefert, die sie erwartete oder bei der sie wusste, welchen Markt sie damit bedienen kann.“


