Früher hieß es oft, das dritte Album entscheide endgültig über die Karriere eines Künstlers. Auch wenn diese alte Weisheit schon lange nicht mehr gilt: Für Patrice stellt „Nile„, obwohl er es sicher nicht so drastisch formulieren würde, einen Wendepunkt in seiner Laufbahn dar.
Er selbst umschreibt das mit „erwachsen werden“: „Als Musiker bin ich in den letzten Jahren definitiv gewachsen, einfach weil ich über viel mehr Erfahrungen verfüge als zu Beginn meiner Karriere“, sagt er. „Für mich ist natürlich jedes meiner drei Alben etwas Besonderes. ‚Ancient Spirit‚ ist ein sehr unschuldiges Werk, bei dem ich nicht darüber nachgedacht habe, wie meine Musik überhaupt bei den Leuten ankommt.“
Beim zweiten Longplayer, „How Do You Call It?„, spielte das Feedback der Fans und der Menschen im Umfeld des Künstlers dann schon eine viel größere Rolle. „Mit dem dritten Album verfolge ich jetzt wieder viel mehr meinen eigenen Weg.“
Gereift und gewachsen
Um sich von allen fremden Einflüssen fernzuhalten, zog sich Patrice fast ein Jahr lang in sein Studio zurück. Und mit „Nile“ ist ihm der erhoffte Befreiungsschlag denn auch gelungen. Patrice hat wieder zu sich selbst gefunden und 15 Songs eingespielt, die sein gewachsenes musikalisches Selbstbewusstsein perfekt widerspiegeln. Vom Erwachsenwerden, im positiven Sinn, darf man da durchaus sprechen.
„Mir ging es vor allem darum, meinen eigenen kreativen Geist zu befreien, um mich musikalisch völlig frei bewegen zu können.“ In den Songs setzt er zwar auf die gewohnte Mixtur aus Reggae-, Funk-, Soul-, Folk- und Pop-Elementen, doch fiel der Sound im Gegensatz zum zweiten Album sehr dreckig aus: „How Do You Call It?“ klingt im Vergleich noch sehr aufgeräumt und glatt.
„Meine zweite Platte entstand unter großem Stress und Zeitdruck. Ich war zwar mit dem Resultat zufrieden, aber nicht mit den Bedingungen, unter denen die Songs zustande kamen“, erzählt er. Inspirieren ließ sich Patrice für „Nile“ in seinem Kölner Studio – ohne Zeitdruck konnte er diesmal „ganz anders an die Aufnahmen herangehen“.
Dem Strom folgend
Entsprechend entspannt präsentiert er sich in den neuen Songs, und er fand auch einen passenden Albumtitel: „Der Nil steht für mich stellvertretend für den Fluss des Lebens. Zudem ist er der Ursprungsstrom, der viele Zivilisationen erst möglich gemacht hat. Der Name ist aber eher als Synonym zu verstehen und nicht mit einem bestimmten Ort verbunden.“
Eingespielt hat Patrice das Album größtenteils mit seiner Liveband Shashamani, mit der er ungestört forschen und experimentieren konnte. Studiomusiker hingegen „sind einen Tag da, spielen alles ein, und das war es dann“, sagt er. Für die Single „Soul Storm“ arbeitete er wieder mit Cameron McVey (Massive Attack, Youssou N’Dour, Neneh Cherry) zusammen, mit dem er bereits ein paar Aufnahmen gemacht hatte.
„Aber diesmal hat es viel besser zwischen uns funktioniert“, meint Patrice. Auch inhaltlich fand er auf „Nile“ zu einer neuen Balance. „Ich habe meinen Individualismus wieder neu entdeckt und versucht, möglichst genau wiederzugeben, wie man sich als Mensch fühlt, der mit offenen Ohren und Augen durch die Welt geht.“


