Musik

Auf der Suche nach dem reinen Klang

Stück für Stück bringen sie den Jazz nach vorne – und wissen selbst nicht so genau wie. Ob live, ob als Konserve – das E.S.T. ist ein Erlebnis.

Erst im Dezember 2004 erhielten Pianist Esbjörn Svensson, Bassist Dan Berglund und Schlagzeuger Magnus Öström den „European Jazz Prize“. Doch trotz aller Auszeichnungen und Trophäen, mit denen das Trio überhäuft wurde, sind sich die drei Musiker sehr wohl bewusst, dass mit jeder Platte und jedem Konzert die Ansprüche an sie weiter steigen.

„Für uns ist es nach wie vor eine besondere Ehre, dass wir so viele Konzerte spielen dürfen“, erklärt Esbjörn Svensson. „Es ist ja nicht so, dass wir uns aufdrängen, aber die Zahl der Anfragen sind nach wie vor immens.“ Da bleibt oft wenig Zeit, sich mit neuen Songs zu beschäftigen.

Wer die Wahl hat…

„Ich bin ein sehr flexibler Komponist, der durchaus auch während einer Tournee neue Stücke schreibt. Um sie dann aber richtig auszuarbeiten, brauchen wir schon ein wenig mehr Ruhe.“ Nicht jedes Stück von Svensson wird auch ins Programm aufgenommen.

„Wir sind eine sehr spezielle Band“, erklärt Dan Berglund. „Es gibt durchaus Songs, die nicht zu uns als Trio passen. Wir sind da sehr wählerisch.“ Folglich wird es für Svensson immer schwieriger, die richtigen Kompositionen bereitzustellen.

„Wir wollen nur die Musik spielen, die auch zu e.s.t. passt. Es kommt oft vor, dass wir neue Songs proben und bereits nach wenigen Minuten übereinstimmend feststellen, dieser Track funktioniert nicht.“

Rein und ungekünstelt

e.s.t. haben mit den Jahren gelernt, mit dieser Situation perfekt umzugehen. Wohl auch deshalb ist den drei Musikern mit „Viaticum“ erneut ein Album gelungen, das den bewährten e.s.t.-Sound behutsam weiterentwickelt.

„Für uns ist es wichtig“, so Svensson, „uns an bestimmte Regeln zu halten. Wir müssen neue Wege gehen, um bestimmte Klänge zu erzeugen. Wir verzichten ganz bewusst auf alle Arten von Synthesizern. Wenn etwas auf der Platte so ähnlich klingt, dann haben wir es mit ganz anderen Mitteln generiert.“

Für die drei Musiker ist jede neue Platte auch ein Kampf: „Ich habe nach jeder Platte das Gefühl, das war es jetzt“, erklärt Svensson. „Umso überraschter bin ich, dass es doch immer weiter geht. Wenn ich mich ein wenig entspannt habe, dann gehen mir sofort wieder neue Ideen für e.s.t. durch den Kopf.“

Planlos in den Abend

Der entscheidende Punkt liegt für alle drei Musiker darin, nicht auf der Stelle zu treten. „Wir müssen gemeinsam das Gefühl haben, dass es mit jeder Platte ein Stück weiter geht“, so Dan Berglund. „Wir haben vor ein paar Tagen gerade unsere erste Tournee durch Polen abgeschlossen. Die Reaktionen waren phantastisch.“

Ein Grund für die Spielfreude des Trios ist auch der Umstand, dass sie jeden Abend andere Stücke spielen. „Wir haben kein festes Programm und wissen deshalb oft selbst nicht, wie der Abend verläuft. Es kommt sogar vor, dass ich einfach spontan ein Stück anstimme, und wir alle drei dann schauen müssen, wie wir damit zurecht kommen.“

Von dieser live hundertfach erprobten Spontaneität zehren auch die neun Songs von „Viaticum“.