Musik

Auf der Suche nach dem amerikanischen Traum

Mit „Bang!“ präsentieren Helena Noguerra und Federico Pellegrini alias Dillinger Girl und „Baby Face“ Nelson ein aufregendes Album.

Kriminell im herkömmlichen Sinn ist das Duo nicht, auch wenn sich die portugiesisch-belgische Sängerin, Schwester von Lio, und der französische Songwriter, Sänger und Gitarrist in den 14 Songs nicht ohne Grund auf den Bankräuber und Frauenhelden John Herbert Dillinger und seinen zeitweiligen Compagnon Lester Gillis alias „Baby Face“ Nelson beziehen.

72 Jahre nach deren gewaltsamem Tod erinnern die beiden Musiker auf „Bang!“ auf ihre Weise an zwei seltsame Randfiguren der Gesellschaft. Ähnlich radikal wie diese gelebt haben, klingt die Musik des Duos allerdings nicht. Im Gegenteil, Dillinger Girl & Babyface Nelson setzen auf eher ruhige, mit zarten Folkklängen ummantelte Songs, deren Sprengkraft sich vor allem in den Texten verbirgt.

Das Schicksal entscheidet

„Geplant haben wir diese Platte eigentlich nicht“, erklärt Helena Noguerra. „Es war eher ein Zufall. Bei den Vorbereitungen zu meinem neuen Soloalbum traf ich Frederico Pellegrini und bat ihn, ein paar Songs für mich zu schreiben. Ich wollte endlich meinen,amerikanischen Traum‘ verwirklichen.“

Einen Monat später stellte ihr Pellegrini 20 Songs vor, von denen sie sofort begeistert war. Die beiden beschlossen nach einigem Hin und Her, gemeinsam eine Platte aufzunehmen. Unter der Regie von Produzent Machine Gun Jim, mit dem Federico Pellegrini bereits mehrmals mit seiner Band Little Rabbits zusammengearbeitet hatte, spielte das Duo im November 2005 in Tucson, Arizona, „Bang!“ ein.

Auf den Spuren zweier Verbrecher

Mit diesem Album begeben sich die beiden auf eine faszinierende Reise durch musikalische Landschaften von Folk und Country über Bluegrass bis hin zu Rock’n’Roll und Pop. „Und wir beschäftigten uns auch näher mit der Geschichte der beiden Gangster, die trotz ihrer kriminellen Aktivitäten im Volk eine immense Popularität genossen.“

So entstanden 14 außergewöhnlich intensive Songs. Helena Noguerra und Federico Pellegrini verzichten auf jeden Schnickschnack und beschränken sich in Stücken wie „Stranger“ oder „Changes“ lediglich auf zarte Gitarrenklänge und hypnotische Gesangspassagen.

Eine Ausnahme bildet „Superbelieve“, eine eigenwillige Coverversion von Blondies Welthit „Heart Of Glass“, bei dem Helena Noguerra bewusst einen Text vorträgt, der nicht dem Original entspricht. Sie bleibt lieber bei der Version, sagt sie, die sie als kleines Mädchen immer gesungen hat, ohne die Worte völlig zu verstehen.