Musik

apropos: Standortpolitik

München oder Hamburg? Früher machte es irgendwie noch mehr Spaß, den Wettbewerb der beiden Metropolen als Medienstandort zu verfolgen.

Printriesen wie Springer, Bauer, Jahreszeiten an der Waterkant, Burda hingegen an der Isar. Und dann erst Kirch! Und Unterföhring, das Tor zur Welt des digitalen Fernsehens! Alles Schnee von gestern. Die Musikbranche kannte nie eine derartige Rivalität der Standorte; die dezentrale Struktur bundesrepublikanischer Kultur spiegelte sich vielleicht auch darin wider, dass ein Major in München, ein anderer in Frankfurt, wieder einer in Köln und die übrigen zwei in Hamburg residierten. Doch auch das ist Vergangenheit. Denn Berlin entwickelt als Hauptstadt unweigerlich einen starken Sog – in vielerlei Hinsicht, aber nicht zuletzt in Sachen Kultur und Musik. Und deshalb packen zurzeit viele Leute ihre Umzugskartons, um ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt an die Spree zu verlegen. Da fragt man sich, wann segensreiche Einrichtungen wie Midem oder Popkomm. folgen.

Aber Spaß beiseite: Berlin ist sexy, doch trotz aller Attraktionen nicht der Nabel der Musikwelt. Wenn sich Warner-President Bernd Dopp zum Auftakt der Jahrestagung seiner Firma zur „Music City Hamburg“ bekannte, dann liegt darin mehr als ein Körnchen Wahrheit. Denn die Hansestadt blickt in musikalischer Hinsicht auf eine lange und glorreiche Vergangenheit zurück – neben den Medien sorgte jahrzehntelang vor allem die Musikbranche für Würze in der Stadt der Pfeffersäcke. Doch allzu viel lief in den vergangenen Jahren schief in der Beziehung zwischen Hansestadt und Musikbranche, weshalb der Exodus gen Berlin einsetzte. Dass Warner und edel – nebst einigen anderen Independents – in Hamburg bleiben, könnte nicht nur ein Wettbewerbsvorteil für diese Firmen sein, sondern auch eine Chance für den Standort Hamburg, verloren gegangenes Terrain wieder wettzumachen. Jetzt ist die Lokalpolitik gefordert. Denn auch wenn Warner am 8. Juni ins neue Domizil zieht, heißt das nicht, dass man auf ewig dort residieren muss. Denn wer weiß, mit welchen Anreizen Berlin demnächst noch lockt.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur