Dieser Sachverhalt muss freilich noch lange nicht irgendwelche greifbaren Ergebnisse zeitigen. Die Diskussion in den Medien und in der Branche vermittelte seit der Popkomm. jedenfalls eher den Eindruck, dass kaum einer so recht weiß, wo es in der Quotenfrage eigentlich langgeht; es kommt immer wieder zu Missverständnissen und Fehldeutungen: Natürlich geht es nicht nur um deutschsprachige Produktionen und auch nicht allein um Newcomer aus Deutschland.
Und natürlich setzt die Industrie die Definition für Newcomer sehr großzügig an: Ein Act darf zum Beispiel bis zu 150.000 Alben verkauft haben – was in der gegenwärtigen Situation fast schon als fest etabliert gelten kann, was aber auch zeigt, wie kritisch die Lage ist. Und natürlich hinkt der Vergleich mit Frankreich: Denn das zentralistische System ermöglichte es seinerzeit einem Kultusminister Jack Lang, die Quote relativ reibungslos einzuführen, während das föderalistische System in Verbindung mit dem dualen Rundfunk in Deutschland alles ungleich komplizierter macht. Und natürlich ist die Rundfunkquote in Frankreich nicht das allein selig machende Allheilmittel gegen kreative Durchhänger und ökonomische Krisen der Branche. Denn die Franzosen fördern populäre Kultur viel umfassender und fangen damit schon auf kommunaler Ebene und in der Schule an.
Wer eine Quote ablehnt, sollte sich dennoch fragen: Warum sind deutsche Radioprogramme so monoton? Warum spielen fast alle Sender fast immer nur die gleichen Stücke, anstatt innerhalb ihres Formats mehr Neuheiten zuzulassen? Und warum wird in Deutschland zwar viel Radio gehört, aber keiner hört mehr richtig hin? An der inhaltlichen Vielfalt und Attraktivität der Programme wird das wohl nicht liegen. Und letztlich liefern auch Grönemeyer oder Westernhagen kein echtes Argument gegen die Quote. Sie sind allenfalls Ausnahmen von der Regel. Quote vadis? Der Weg wird jedenfalls lang und steinig; doch als Alternativen tun sich – außer der Abschaffung des Sendeprivilegs – nur Sackgassen auf.
Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur


