Musik

apropos: Prioritäten setzen

Da kommt ganz schön was zusammen: Nicht nur beim Berlin-Meeting der Konrad-Adenauer-Stiftung artikulierten Vertreter der Musikbranche die vielfältigen Probleme, mit denen sie sich in diesem Jahr verschärft konfrontiert sehen.

Wer diese Appelle indes lediglich als Ruf nach staatlicher Hilfe und Subvention interpretiert und auf die Devise verweist „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, der verkennt die Lage. Denn bislang funktionierte die Tonträgerindustrie – anders als der Bereich der Hochkultur – stets ohne staatliche Subventionen. Fast schon ist man versucht zu vermuten, sie habe aus grober Fahrlässigkeit nicht schon viel früher zum Beispiel auf den verminderten Mehrwertsteuersatz für Kulturgüter gepocht. Und es geht auch gar nicht um irgendwelche Finanzspritzen, sondern darum, dass die gesetzlichen und strukturellen Rahmenbedingungen den veränderten Verhältnissen angepasst werden. Erst wenn diese Bedingungen stimmen, wenn zum Beispiel die Kopierschutzproblematik geregelt ist, erst dann soll, wer mag, über Qualitätsfragen debattieren.

In diesem Sommer gilt es freilich vorrangig, die Forderungen und Wünsche der Branche an die Politik zu bündeln und dabei auch Prioritäten für die Lobbyarbeit zu setzen. Diese Aufgabe wird nicht leichter, so lange Wahlkampf herrscht und man nicht weiß, mit wem man es am Ende in Berlin zu tun hat. Aber auch inhaltlich herrscht vielfach noch Unsicherheit. Zum Beispiel bei der neuerdings oft und gern zitierten Quote: Die gleiche Musikbranche, die sich noch vor wenigen Jahren vehement gegen eine Quote im Radio wandte, wünscht sich nun genau diese herbei. Aber dabei stellen sich Fragen: Soll die Quote für deutschsprachige Produktionen gelten oder für Neuheiten generell? Für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder für die privaten Sender oder für alle? Und wer setzt diese zweifelsohne sinnvolle Maßnahme durch? Im zentralistischen Frankreich ging das relativ leicht, in Deutschland hingegen fragt sich, wo der Hebel anzusetzen wäre. Vermutlich in den Rundfunkräten, also bei den Parteien. Na dann.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur