Musik

apropos: Kopieren ohne Pause

Die parlamentarische Sommerpause naht, ebenso die Bundestagswahlen im September – und der Ruf nach einer gesetzlichen Regelung der Kopierschutzproblematik erschallt immer dringlicher.

Bis Ende des Jahres erwartet zudem die EU eine Harmonisierung der deutschen Gesetzgebung. Bevor aber endlich handfeste Ergebnisse auf dem Tisch liegen, werden vermutlich noch viele Millionen CDs – und zunehmend auch DVDs – in deutschen Landen gebrannt werden. Es wird zudem noch viele Expertenmeinungen und Diskussionsrunden über die Zukunft der Musikbranche geben, doch allerorten werden auch weiterhin junge, kreative Idealisten davon träumen, die Musik in ihren Köpfen möglichst vielen Menschen zugänglich machen zu können. Das wird halt nur immer schwieriger. Mit der Sommerpause naht auch die Sommerflaute, und das alljährlich wiederkehrende Phänomen dürfte heuer vor allem der Zeitschriftenbranche Kopfschmerzen bereiten. Denn in den letzten Monaten mussten viele Blätter schmerzhafte Rückgänge bei den Anzeigen hinnehmen, und es ist nicht zu erwarten, dass sich die Lage im Sommer bessert.

Vielleicht erklärt diese Situation den Hang vieler Computertitel, mit großen Titelthemen detaillierte Anleitungen zum Knacken des Kopierschutzes zu liefern. Dass sich damit Hefte verkaufen lassen, legt immerhin den Schluss nahe, dass das Interesse der Konsumenten am Musikhören nach wie vor ungebrochen stark ist. Es scheint indes zum Volkssport geworden zu sein, sich die Musik kostenlos, egal woher, zu holen. Und solange es keine verbindliche gesetzliche Regelung gibt, werden Magazine auch weiterhin Anleitungen zum Knacken des Kopierschutzes bringen. Moralische Appelle an die Journalisten in den Redaktionen mögen zwar gut klingen, werden aber nicht viel fruchten. Umso mehr ist zu begrüßen, dass sich jetzt die verschiedenen Verbände der Musikwirtschaft gemeinsam und unmissverständlich äußern. Es ist in der Tat allerhöchste Zeit, offensiv und selbstbewusst grundlegende Weichenstellungen von der Politik einzufordern.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur