Musik

apropos: Handeln!

Es ist ein Trauerspiel. Während sich die Politik weiterhin darüber streitet, wer denn mehr zur Unterstützung der notleidenden Musikwirtschaft tun kann oder will, vergeht draußen im Land unweigerlich der Sommer, und der so sehnsüchtig erhoffte Aufschwung lässt weiter auf sich warten.

Für den Einzelhandel stehen jedenfalls die Zeichen auf Sturm. Oder besser gesagt: auf Flaute. In der ersten Jahreshälfte nahmen die Firmenzusammenbrüche im Osten der Republik um 50 Prozent und im Westen um 30 Prozent zu. Diese Zahlen beziehen sich zwar auf den gesamten Einzelhandel, doch auch in der Tonträgersparte herrscht Katerstimmung. Nach den sowieso schon schwachen Monaten April und Mai hat auch der Juni außer Einbußen nicht viel gebracht; bei manchem Händler liege der Umsatzrückgang bei 40 Prozent, so hört man. Und wer diesen Sommer überstehe, der sei relativ fein raus, denn bis zum Herbst sei die Konkurrenz dann noch weiter dezimiert. Allein an der Fußballweltmeisterschaft oder am heißen Wetter im Juni wird es wohl nicht gelegen haben, dass die Kundschaft wegblieb. Eher dürfte sich hier eine komplexe Gemengelage aus sachlichen und psychologischen Gründen auswirken, die in diesem Heft und an dieser Stelle schon oft und immer wieder genannt und diskutiert wurden – vom Teuro bis zur Brennerei.

Aber während man noch debattiert und diskutiert, sieht sich der Handel vielerorten mit der grausamen Realität konfrontiert. Und die schmerzt umso mehr, wenn es auch in der jetzigen Situation immer mal wieder bei Ketten oder Märkten Hochpreis-CDs zu niedrigen Sonderpreisen gibt oder wenn eine attraktive DVD schon um die 15 Euro zu bekommen ist und im Vergleich mit der herkömmlichen CD deshalb umso besser dasteht. Dass sich die DVD als Zusatzgeschäft anbietet und dass vernünftige Lieferanten die Zahlungsziele verlängern – solche Überbrückungsmaßnahmen können wenigstens noch die Hoffnung schüren, dass das Geschäft in der Herbstsaison wieder Fahrt aufnimmt. Und immerhin stehen in den nächsten Monaten einige hochkarätige Produktionen zur Veröffentlichung an. Hauptsache, es gibt dann noch genug Händler, die die Produkte verkaufen können.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur