Musik

apropos: Fördermittel

Die Franzosen haben schon lange eins. Die Briten richten sich bald eins ein. Und die Deutschen? Seit geraumer Zeit mehren sich in der deutschen Branche die Rufe nach einem Musikexportbüro, und auch Steffen Kampeter greift diese Forderung in seiner Kleinen Anfrage im Bundestag auf.

Es lässt sich schließlich nicht leugnen, dass es die französische Kulturpolitik geschafft hat, gegen das angloamerikanische Übergewicht am Markt die eigene Musikszene nicht nur zu stützen, sondern sie sogar auszubauen. Und das dürfte eben auch an der beharrlichen Arbeit des Bureau de la Musique liegen, das französischen Künstlern auf fremden Märkten Türen und Tore öffnet. Dass solche Lobbyarbeit vor Ort sinnvoll sein kann, haben auch die Briten erkannt. Nachdem in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten zumindest für ein, zwei Wochen kein einziger britischer Titel in den US-Charts notiert war, scheint es höchste Zeit, die nächste British Invasion in New York vorzubereiten. Eine Invasion von deutscher Musik in den USA oder in anderen Märkten wird sich allerdings ein wenig schwieriger bewerkstelligen lassen, und insofern könnte ein Musikexportbüro zweifelsohne hilfreich sein.

Doch was soll dessen Aufgabe konkret sein? Soll es Wirtschaftsförderung im Außenhandelsbereich treiben? Oder kulturelle Akzente setzen wie das Goethe-Institut? Soll es Tourneen organisieren, Promotion machen, Lizenzverträge einfädeln, Messen und Messeauftritte konzipieren? Oder alles zusammen? Und wer soll das finanzieren? Der Bund, die Länder, die Industrie, alle gemeinsam? Spätestens hier stellt sich die Frage nach einer Musikförderungsanstalt, analog zur Filmförderung, wie sie Staatminister Julian Nida-Rümelin am 22. Februar im Bundestag erwähnte. Wenn die Industrie von jeder verkauften CD ein paar Cent in den Fördertopf einzahlt und der Bund dann das Budget aufstockt, sollte sich daraus zumindest ein Musikexportbüro finanzieren lassen. Und das wäre ein erster wichtiger Schritt.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur