Die Musikwirtschaft hat viel zu lange ihre überkommenen Geschäftsmodelle verteidigt! Die Musikindustrie soll endlich mal attraktive Geschäftsmodelle entwickeln! Wirklich?
Vermutlich wurden in der Urheberrechtsdebatte im Lauf der Monate längst alle Argumente ausgetauscht. Dennoch scheint es angebracht, immer mal wieder auf Grundsätzlichkeiten hinzuweisen, die sich nicht wegdiskutieren lassen und die in der digitalen Welt ebenso gelten wie in der „analogen“, weil beide schon immer zusammengehören.
Eine solche Regel lautet ganz simpel: Du sollst nicht stehlen; wer Dinge oder Inhalte klaut, die ihm nicht gehören, ist ein Dieb.
Eine weitere Regel lautet: Jeder Urheber muss selbst entscheiden können, was mit seinem Werk geschieht; ob er es im Internet verschenkt, von einem Unterhaltungskonzern vermarkten oder sich direkt von Fans bezahlen lässt – es geht nicht an, dass ihm andere diese Entscheidung abnehmen, nur weil sie die Möglichkeit dazu haben.
Der Respekt vor den Kreativen und ihrer Arbeit gebietet, dass man sich an solche Regeln hält. Dies tun allerdings nicht viele Menschen, solange sie problemlos tricksen können und kaum Sanktionen fürchten müssen. Und falls sich doch ein Hauch von schlechtem Gewissen regt, gibt es eine Reihe von Rechtfertigungsmantras, die indes durch stetige Wiederholung nicht richtiger werden. Eines davon lautet: „Die Musikwirtschaft hat zu lange ihre überkommenen Geschäftsmodelle verteidigt.“ Oder anders rum: „Die Musikindustrie soll endlich mal attraktive Geschäftsmodelle entwickeln.“
Doch erstens hat in der freiheitlich demokratischen Gesellschaft jeder das Recht, ein Geschäftsmodell zu verfolgen und zu verteidigen, wie es ihm passt, so lange er damit nicht gegen geltendes Recht verstößt. Und zweitens sind Geschäftsmodelle, die fast 80 Prozent zum Umsatz beitragen, noch lange nicht veraltet.
Manfred Gillig-Degrave Chefredakteur MusikWoche [email protected]



