Politik und Interessen der Musikwirtschaft ließen sich bislang sehr gut mit zwei Königskindern vergleichen, die zwar gern zueinander wollen, aber über die Wasser der vielfältigen und oft unterschiedlichen Interessenslagen nicht recht zueinander finden konnten. Am vergangenen Montag ruderten die beiden während des Kongresses „Musik als Wirtschaft“ dennoch aufeinander zu. Durch zwei besondere Umstände fiel der Griff zum Ruder besonders leicht: Die Musikwirtschaft, nach diversen Hiobsbotschaften der letzten Wochen und Monate in leichter Panikstimmung, versucht ihr Image zu verbessern und Lobbyarbeit zu betreiben. Und die Politik möchte sich ein paar Monate vor der Bundestagswahl der Gunst der Branche versichern.
Das dritte glückliche Moment ist dem nimmermüden Konzertveranstalter und Verbands-Präsidenten Jens Michow zu verdanken, der das Event innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellte. Dass mit ihm ein „Externer“ den Kongress initiierte, ist nicht weiter tragisch angesichts des Pragmatismus, den sich die Musikbranche derzeit auf die Fahnen geschrieben hat. Hilfe ist willkommen, egal von wem sie stammt. Der Kongress in Berlin hat aufgrund der hohen Fachkompetenz der Teilnehmer, Referenten und Panelisten einige Erwartungen geweckt. Am frühlingshaften Himmel tauchten gegen Ende der Veranstaltung sogar ferne Ziele und Wünsche wie eine wohnortbezogene Besteuerung der Künstler oder ein gemeinsamer Fonds zur Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter auf. In diesem Sinne war „Musik als Wirtschaft“ ein exzellenter Anfang, der beiden Königskindern nutzte und nebenbei gesagt auch zeigte, dass auch und gerade abseits der Popkomm. hochwertiger Diskurs möglich ist. Wieviel Zeit auch noch vergehen mag, das Urteil ist eindeutig: Daumen hoch für den Kongress. Auf die Fortsetzung freut sich:
Martin Schrüfer [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Ressortleiter Unternehmen & Online musikwoche.de



