Nachdem sie mit den ersten beiden Teilen ihrer Trilogie, „Oremi“ und „Black Ivory Soul“, die afrikanischen Wurzeln in Nordamerika und Brasilien untersucht hatte, setzt Angélique Kidjo auf dem neuen Album ihre musikalische Entdeckungsreise in der Karibik fort. „Wenn wir alte Musikstile und Rhythmen nicht ständig verändern können, sind wir nicht im Stande, uns selbst zu verbessern. Ich bin erstaunt darüber, wie sehr die ursprünglichen, afrikanischen Rhythmen von ihrer Weiterentwicklung auf Kuba, Haiti und Jamaika verändert wurden. Viele Sklaven, die seinerzeit die afrikanischen Trommelarten in die ’neue Welt‘ brachten, kamen nach dem Ende der Sklaverei zurück nach Afrika und exportierten so eine neue Spielweise der Rhythmen.“
In einer Art musikalischem Portrait der Karibik öffnet Kidjo auf „Oyaya!“ ihre Schatztruhe, die randvoll ist mit eigentümlichen, durchweg tanzbaren Rhythmen. Von den offensichtlichen Stilrichtungen wie Ska, Salsa und Calypso bis hin zu weniger geläufigen Tänzen wie Plena, Changui und Masurka reichen die Mitbringsel von ihrer Entdeckungsreise. Im Gegensatz zu ihren früheren Welthits „Agolo“ und „Batonga“ setzt Kidjo diesmal, wie auch schon beim Vorgänger, nicht mehr auf Synthesizer und Sampler. Alles ist echt und live. Von Steve Berlin (Santana) produziert, zeigt Kidjo, wie wandlungsfähig ihre Stimme ist.
In ihrem ausdrucksvollen Gesang und den liebevoll arrangierten Chören immer authentisch, sprintet die westafrikanische Diva von einer karibischen Insel zur nächsten und bevorzugt trotz aller Vielfalt doch immer die erdigsoulige Konstante. „Ich wollte kein afro-kubanisches Album aufnehmen. Das wäre mir zu simpel gewesen, weshalb auch kein einziger Son auf der Platte ist. Bei den vielen Ideen, die ich während meines Trips durch die Karibik hatte, war es schon schwer, sich auf die dreizehn Songs des Albums festzulegen.“ Der Zuhörer solle das gleiche Gefühl beim Hören bekommen, das sie während ihrer Reise hatte – „nämlich mit einem Feuerwerk von Rhythmen eine Party feiern zu können“, erzählt Kidjo. Das ist ihr mit „Oyaya!“ gelungen.



