Musik

Alte Herren mit kreativem Freizeitjob

Nach fünfjähriger Pause melden sich Mike & The Mechanics mit dem neuem Album „Rewired“ (Virgin/EMI) und runderneuertem Sound zurück. Nach dem überraschenden Tod von Sänger Paul Young war die Zukunft der Band lange Zeit ungewiss.

Das neue Album von Mike Rutherfords Teilzeitband entstand im ländlich gelegenen „Farm“-Studio, das ihm und seinen beiden Ex-Kollegen von Genesis gehört. Während man hier detailverliebt an der SACD des Genesis-Klassikers „The Lamb Lies Down On Broadway“ arbeitete, die im September erscheinen soll, nahm Rutherford mit Mike & The Mechanics das neue Album auf. „Bis,M6′, dem letzten Album von Mike & The Mechanics, spielte ich ja noch Vollzeit bei Genesis. Jetzt gibt es Genesis zwar nicht mehr, aber die Mechanics sind trotzdem noch eine Teilzeitband. Wir sind nämlich inzwischen alle über 50 Jahre alt. Da bereitet man sich schon mal auf den Ruhestand vor“, sagt Rutherford.

Auf die Rente wird seine Band allerdings noch eine Weile warten müssen, denn mit „Rewired“ präsentiert sich die Formation so zeitgemäß wie nie zuvor. Aus gutem Grund, wie Rutherford erzählt: „Nach dem Tod unseres Sängers Paul Young wussten wir nicht, wie und ob es mit der Band weitergehen würde. Als wir dann aber wieder mit dem Schreiben von Songs anfingen, war klar, dass wir nicht wie die Mike & The Mechanics klingen konnten, aus deren Mitte Paul Young plötzlich gerissen wurde. Deswegen holten wir uns zwei junge Programmierer ins Studio, die unserem Sound frische, neue Akzente hinzufügten.“

So entstand ein Mix aus den typischen, grundsoliden Songstrukturen, wie sie bereits Hits wie „The Living Years“ oder „Silent Running“ prägten, und aus neuester Sample- und Loop-Technik, die man den alten Herren eigentlich nicht mehr zugetraut hat. „Wir mögen zwar nicht mehr ganz taufrische Jungs sein, aber bereits unser erstes Album war soundtechnisch seiner Zeit voraus“, sagt Rutherford. Genau den gleichen Maßstab habe man auch an das neue Album angelegt. „Es ist doch verdammt leicht, jedes Jahr eine Platte mit dem gleichen Sound aufzunehmen, was ich an diversen Bands kritisiere. Bei all den technischen Möglichkeiten, die inzwischen zur Verfügung stehen, frage ich mich, warum manche Künstler nicht mutiger sind“, so Rutherford. In den Instrumentalnummern, „Rewired“ und „Underscore“, beweisen Rutherford & Co. jedenfalls mit Dub-Grooves und progressivem Sounddesign, dass sie den Sprung ins neue Jahrtausend mühelos geschafft haben.