Musik

Alles noch mal von vorn – und dafür viel besser

Als Blümchen wurde sie zum Superstar. Nach einer langen Pause meldet sich Jasmin Wagner jetzt mit neuem Album und neuem Stil zurück.

Die Zeiten, als Jasmin Wagner vor allem ein Publikum zwischen acht und 15 Jahren ansprach, sind endgültig passé. Mit „Die Versuchung“ gelingt ihr ohne große Probleme der Sprung in das gehobene Pop-Entertainment. Auch wenn sie zu ihrer Vergangenheit als Blümchen voll und ganz steht – sie heute noch darauf festnageln zu wollen, wäre mehr als ungerecht.

Denn mit Hilfe von Michel van Dyke und Bernd Begemann hat sie sich erfolgreich von ihrer Vergangenheit emanzipiert: „Die Versuchung“ ist ein ebenso gewagter wie gelungener Aufbruch zu neuen musikalischen Ufern, eine wundervolle Melange aus Soul, Beat und Sixties-Pop.

Offene Rechnung

„Mir war nach dem Ende der finalen Blümchen-Tournee auch nicht klar, ob und wie es musikalisch mit mir weitergehen würde“, erklärt Jasmin Wagner. „Das Einzige, was ich mit Sicherheit wusste, war, dass ich eine Pause brauchte, um diesen Wirbelsturm zu verarbeiten, der in den Jahren davor mein junges Leben ordentlich durcheinandergewirbelt hatte.“

Es dauerte ein paar Jahre, in denen Jasmin Wagner viele Reisen rund um die Welt unternahm und Schauspielsemester in den USA belegte, bis sie ihre Mitte wiedergefunden hatte. „Nach und nach habe ich dann gemerkt, vor allem wenn ich in meinem Notizbuch beiläufig an neuen Textideen arbeitete, dass da einfach noch eine Rechnung mit der Musik offen war“, sagt sie. „In mir wuchs das Bedürfnis zu hören, wie es wohl klingen würde, wenn statt Blümchen Jasmin Wagner auf einer Platte draufsteht.“

Am Spice-Girl orientiert

Diese Suche nach der neuen künstlerischen Herausforderung führte über ein paar Umwege zu „Die Versuchung“. Auch wenn die neue Platte ganz anders klingt als die Alben, die Jasmin Wagner als Blümchen eingespielt hat, ist doch die fast unstillbare Neugier unverkennbar, mit der sie sich an neue Aufgaben heranwagt.

„Ich habe schließlich einen Vertrag bei Polydor/Universal unterschrieben und auch gleich mit der Arbeit zu einem neuen Album begonnen. Damals habe ich mich ein bisschen am ersten Soloalbum von Mel C orientiert, das sehr viele unterschiedliche Stilelemente vereinte.“

Alles auf Anfang

Jasmin Wagner hatte Kontakt zu vielen Produzenten, darunter Inga Humpe und Peter Plate von Rosenstolz. „Jeder hat ein bis zwei Songs betreut. Am Ende hatten wir allerdings ein musikalisches Puzzle, das sich einfach nicht zusammensetzen ließ. Es hat sich nicht gut angefühlt.“ Und so reifte in Jasmin Wagner die Entscheidung, mit der Albumproduktion noch einmal von vorn zu beginnen

„Man kann natürlich nach Schweden fahren und dort all die Songs aufnehmen, die Britney Spears abgelehnt hat. Oder aber man geht halt seinen eigenen Weg und findet sich in der Musik und beharrt auf diesem Anspruch“, sagt sie. „Auch wenn man Frauen nachsagt, dass sie zickig sind – so zickig wollte ich in der Tat sein und entweder die Musik machen, die mir gefällt, oder gar keine.“ Das Beharren auf dem eigenen Standpunkt führte dazu, dass Jasmin Wagner mit den Aufnahmen noch einmal von vorn beginnen durfte.

Zurück in die Sechziger

„Einer der Songs, die mir bei den ersten Aufnahmesessions am meisten gefallen haben, stammte von Michel van Dyke, der mir dann auch Bernd Begemann vorstellte.“ Bevor sich die Hamburgerin jedoch für die neuen Songs entschied, unterhielt sie sich erst einmal in Ruhe mit Michel van Dyke, um einen gemeinsamen Nenner für die Zusammenarbeit zu finden:

„Michel hat mir die Sechziger näher gebracht, indem er mir sehr viele Filme und Bücher zeigte. Das war sehr inspirierend für mich, und ich habe mich ganz darauf eingelassen.“ Es hat sich gelohnt.