Außer den schottischen Senkrechtstartern zählen Tocotronic, die Kaiser Chiefs, die wiedervereinigten The House Of Love, Nada Surf, The Polyphonic Spree, St. Thomas und Englands gefeierte Newcomerband The Magic Numbers zum exquisiten Programm von Haldern Pop 2005 am 5. und 6. August. Das Festival war bereits zwei Monate im voraus ausverkauft – so früh wie nie zuvor, wie Stefan Reichmann, Geschäftsführer der Raum 3 Konzert- & Veranstaltungs GmbH betont. Dieses rein ehrenamtliche Veranstalterkonsortium besteht aus mittlerweile 152 „Aktionären“, die sich mit dem Erwerb eines Anteils zur aktiven Mithilfe beim Festival verpflichtet haben.
Dabei ähnelt diese Interessengemeinschaft laut Reichmann indes „eher einem Indianerstamm denn einer Aktiengesellschaft“. Rendite in Form von Geld sei nicht zu erwarten. Gewinne fließen in gemeinsame Festivitäten wie Club-Konzerte oder Spargelessen sowie ins eigene Label Haldern Pop Recordings (Vertrieb: Cargo), das unter anderem Tonträger der belgischen Bands Das Pop und Zita Swoon oder von Under Byen aus Dänemark veröffentlicht. „Die Konstanten von Haldern sind seine überschaubare Größe, seine leidenschaftlichen, unabhängigen Protagonisten und die musikalische Ausrichtung“, erklärt Reichmann. Dabei gebe es trotz einer Konzentration auf kredible Indierock- und -Pop-Acts keine Genregrenzen. So spielten auch schon HipHopper wie Fischmob oder R&B-Star Kelis in Haldern.
Intention ist es laut Reichmann, die Zuschauer immer wieder zu begeistern und zu überraschen. „Das über die Jahre gewachsene Vertrauen der Frischluftpop-Enthusiasten ermutigt uns in unserer Experimentierfreude und etabliert Haldern als Marke, die sich in kleinen Schritten dem großen Ziel nähert: Unabhängigkeit von Trends und künstlich erzeugter Nachfrage“, so Reichmann. Er zählte bereits zu den 14 musikbegeisterten Ministranten, die in den frühen Achtzigern auf dem späteren Festivalgelände „Sausen“ veranstalteten, bei denen der Sound noch vom Band kam. 1984 stellten damals 54 „Aktionäre“, die je 500 Mark für einen Anteil einzahlten, das erste Open Air mit Herne 3, The Chameleons und Nightwing auf die Beine.
Die ersten Jahre waren meist verlustreich, doch Auftritte von Extrabreit (1987), Element Of Crime (1988) oder Bob Geldof (1991) mehrten Ruf und Besucherzahlen des Festivals, das mittlerweile weitere Größen wie The Afghan Wigs, Patti Smith, Bright Eyes, Paul Weller oder The Divine Comedy präsentierte. Haldern Pop war zudem Vorreiter auf dem Gebiet des Umweltschutzes: Bereits seit 1992 ist Mülltrennung Standard, seit 1993 gibt es Mehrwegbecher. Und die Haldern-Macher haben Ideen, um übermäßigen Alkoholgenuss einzudämmen: Wer im Vorjahr zwei Biermarken aufhob und nun einschickt, bekommt die sonst nirgends erhältliche Compilation „Vollmilch 2004“ mit Live-Mitschnitten vom letzten Festival.



