Musik

Älteste Newcomerband Deutschlands

Johnny Liebling sind skurril, eigenwillig und stilistisch wie musikalisch völlig eigenständig. Und schon allein dafür sollte man Gott danken.

Es vergeht kaum noch eine Woche in dieser Republik, in der nicht ein junges musikalisches Talent entdeckt wird, dem sofort eine goldene Zukunft prophezeit wird. Johnny Liebling sind indes schon viel zu lange im Geschäft, um noch an irgendwelche Versprechungen zu glauben.

Seit zwei Jahren basteln die fünf Musiker aus Hamburg an ihrem Konzept, und das Ergebnis – aktuell ihr Debüt „Goldene Zeiten“ – kann sich hören lassen, denn statt überschäumender Euphorie hat die Band etwas zu bieten, was viel schwerer wiegt: Eigenständigkeit und Stil. Mit Begriffen wie Schicksals-Schlager, Polka-Jazz oder Bukowski-Beat hat man bereits versucht, ihre Songs zu kategorisieren. Vergeblich. Die Musik von Johnny Liebling ist viel zu eigenwillig und lässt sich nicht in festgefügte Kategorien pressen.

Gebrannte Kinder

Bereits Mitte der Neunziger, als einige Bandmitglieder noch unter dem Namen Lovekrauts unterwegs waren, sammelten sie schon Erfahrungen mit dem Musikbusiness. Und die waren nicht nur positiv. Trotzdem hielten die beiden Sänger Ralph Beulshausen und Kris Kiel, Schlagzeuger Rüdiger Hensel, Bassist Kim Kiesling sowie Gitarrist Martin Fekl an ihrem eigenwilligen Sound fest, einer Mixtur aus Pop, Chanson, Soul und allerlei anderen exotischen Zutaten.

„Wir spielten in den ersten drei Jahren sehr viele Konzerte in Bars,“ erzählt Ralph Beulshausen, „ohne einen Gedanken an die kommerzielle Verwertbarkeit der Musik zu verschwenden.“ Von der positiven Resonanz waren sie angenehm überrascht. „Die Läden waren schnell ziemlich voll“, so Kim Kiesling. „Wir spielten dann das Album selbst ein und schickten es an viele Kontakte,“ berichtet Kris Kiel. „Dadurch fanden wir auch unser jetziges Management. Und wir halten durch den Bandübernahmevertrag mit Universal nach wie vor alle Fäden in der Hand.“

Jetzt wird’s aber zu bunt

Ähnlich bunt wie die Musik sind auch die Texte. In Songs wie „Goldene Zeiten“ oder „Champions“ wird munter drauflosschwadroniert – frei von der Leber weg und ohne den analytischen Zeigefinger zu sehr zu strapazieren. Die nötigen Freiheiten dafür nimmt man sich einfach.

Für die Produktion des Albums zeichnet Chris von Rautenkranz verantwortlich. „Wir haben alles live im Studio eingespielt“, erzählt Ralph Beulshausen. „Uns war nach einigen negativen Erfahrungen in der Vergangenheit, klar, dass wir einfach wieder eine Gitarre in die Hand nehmen wollten, um unbeschwert drauflos zu spielen. Und so haben wir es dann auch gemacht.“

Waits meets Bukowski

Johnny Liebling bringen genug Lebenserfahrung mit, um zu wissen, wovon sie in Stücken wie „Vampire“ oder „An guten Tagen“ singen. Das zeigt auch die Coverversion auf „Goldene Zeiten“: „Heroin“ von Tobias Gruben von Die Erde.

Das ist nicht unbedingt eine alltägliche Wahl, genauso wenig wie der Text zu „Karl“, die Übersetzung eines Originals von Tom Waits von Heiner Pudelko. Und bei „Champions“ stand Charles Bukowski inhaltlich Pate.